Menhire, Dolmen und Tumuli

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Wenn man in der Bretagne Ferien macht, führt kein Weg an der Megalithkultur vorbei. Es stellen sich immer wieder kleinere und grössere Menhirfelder in den Weg. Menhir, so habe ich gelernt, kommt von men = Stein und hir = lang. Wir sehen also mehr oder weniger lange, aufrecht gestellte Steine …

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Die berühmtesten Felder sind in Carnac zu finden. Auffällig war, dass in den ersten Reihen eines Feldes die Giganten standen, von denen manche an Mamuts (s.o.) oder Walfische (s.u.) erinnerten, und dann die Steine immer kleiner wurden, je länger die Felder waren.

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Ja, wir waren auch dort, aber so richtig staunen konnte ich dort nicht. Sicherlich waren es unglaublich viele Steine (man sagt mehr als 2400 Stück), die dort in langen Reihen von uralten Zeiten sprechen, aber die Atmosphäre erschien mir „leer“, vielleicht haben die vielen TouristInnen der letzten Jahrzehnte den Flair weggeknipst … Heutzutage sind diese Felder eingezäunt und dürfen nicht mehr betreten werden, zu viele Menschen, die dort ihr Unwesen trieben, Steine umwarfen oder bemalten … schade eigentlich! Immerhin stehen wir vor einem Kulturerbe, das 6000 Jahre rückwärts begann. Die Archäologen beziffern die ersten Menhire auf ca. 4000, die letzten auf ca. 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Heute gleicht dieser Ort einem Rummelplatz, wo der Süssigkeitenverkäufer noch eine spezielle Attraktion war:

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Doch zurück zu den Menhiren … es gab sie, die Orte der Stille und des Staunens. Wie zum Beispiel vor den Toren Plouharnels: Bild 1 und hier …

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oder beim Anblick des „Giganteos“ im Wald bei Carnac

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oder hier zwischen Plouharnel und der kleinen Stadt Even

Dort, wo niemand oder nur sehr wenige Leute waren, fiel mir die Stille auf, die Stille der Steine, die der Stille von Friedhöfen gleicht.

Es wurde schon viel vermutet und behauptet was diese gigantischen, tonnenschweren Steine zu bedeuten haben, aber es ist und bleibt ein Rätsel und genau hier will ich es auch belassen. Die Kultur der Kelten und der Menschen davor schenkt unendlichen Spielraum für Vermutungen und abenteuerliche Theorien. Mir hat es genügt mich an den einen und anderen Stein zu lehnen und mit ihnen in der Stille zu verweilen.

Komme ich nun zu den Dolmen, von dol = Tisch und men = Stein, die tatsächlich Grabkammern waren. Auch hier staunten wir über die riesigen und tonnenschweren Steinplatten, die als Dach über den eigentlichen Kammern lagen.

Tumuli sind ebenfalls Grabkammern, die von vielen kleinen Steinen eingefasst wurden, mit lediglich einer grossen Steinplatte als Dach. Dolmen und Tumuli sind heute leer, aber man fand bei ihren Ausgrabungen Schmuckstücke, Utensilien des Alltags und verzierte Steine, die heute in Museen zu besichtigen sind.

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Die Kelten und die Menschen der Megalithkultur erbauten keine Tempel, wenigstens nicht, dass wir es wüssten, aber sie sollen heilige Haine gekannt haben. So fand ich in einem der zahlreichen Bücher in unserem Feriendomizil folgende Sätze, die ich gerne mit euch teilen möchte.

„Die Gottheit gleicht einem Kreis, dessen Mittelpunkt überall und dessen Peripherie nirgendwo ist.“

„Die Kelten waren davon überzeugt, dass man einen Gott, eine Göttin nicht an einer bestimmten Stelle festhalten kann, sie glaubten vielmehr, dass sich die Welt der Menschen an bestimmten symbolischen oder realen Orten öffnet … wie zum Beispiel auf einer Waldlichtung, in einem ganzen Wald, auf der Spitze eines Hügels, auf einer Insel im Meer …“

Jean Markale – Die Druiden

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Ob dies nun ein alter Ritualplatz war oder etwas anderes, werden wir wohl nie wirklich erfahren. Nicht nur die Megalithkultur ist uns bis heute ein Rätsel, es gibt Stonehenge, es gibt die grossen Skulpturen auf den Osterinseln, die geometrischen Linien auf den Hochebenen in den Anden, um nur einige der Rätsel der Erde zu nennen. Wir sehen Überreste von untergegangenen Kulturen, vielleicht werden ja in 6000 Jahren sich andere Menschen über die Funde unserer Zeit den Kopf zerbrechen …

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26 Gedanken zu „Menhire, Dolmen und Tumuli

    • aaah DU siehst natürlich die Gesichter! FREU … es sind wirklich „Typen“ ich habe so viele „Gestalten“ gesehen und werde bestimmt noch die eine und andere Montage mit ihnen machen, aber jetzt rufen gerade die Alletage mit ihren Aufgaben und Pflichten und dann die Sonne, der Garten, die Kräuter- meine Sommerdose füllt sich für die useligen Tage. hab einen feinen Tag! Herzlichst Ulli

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    • wenn eine Kultur nichts schriftliches hinterlässt, dann gibt sie viiiel Raum für Spekulationen und Deutungsversuche- mir fällt das in den letzten Jahren immer wieder auf, so ein Hype um die Kelten, woran sie glaubten, was sie meinten, was sie taten … klar, mich macht das auch neugierig, wenn ich diese Kolosse vor mir sehe, wie sie diese transportiert haben, zum Beispiel und natürlich wofür sie standen, andererseits finde ich es aber auch spannend, dass wir vor Rätseln stehen, die wir nicht gelöst bekommen …
      herzlichst Ulli

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  1. Wie wunderbar! Aber vor allem dank ich Dir für das Zitieren der Worte zur Gottheit von Markale, das geht mir unter die Haut! Liebe Grüsse, werde wieder vermehrt zu den Steinen gehen, die bei uns so „herumliegen“!

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    • Mir gefiel die Idee, dass der Mittelpunkt überall sein kann und die Peripherie nirgendwo … dies kommt meiner Empfindung sehr nahe, dass Göttlichkeit in jedem Baum, in jeder Pflanze, in jedem Tier, in jedem Stein und letztlich in jedem Menschen wohnt und korrespondiert für mich mit dem Staunen über dieses Wunder Leben …
      Steine haben mich Stille und Ruhe gelehrt, sie sind so unglaublich alt und haben schon so viele Metamorphosen hinter sich, damit kann ich gut tanzen, den langsamen Schritt.
      liebgrüss
      Ulli

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  2. Wenn ich manchmal die Schand- oder sogar Gräueltaten von Menschen sehe, dann denke ich doch, dass wir Menschen nicht – wie wir sollten – am Anfang der intellektuellen Kette der Lebewesen stehen, sondern bestenfalls in der Mitte oder sogar ziemlich weit hinten.
    Sehr schöne Fotos!

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    • Liebe Clara, ich weiss nicht, ob die Menschen vor 4000 Jahren besser oder weniger intelligent waren … wenn ich mir ihre Werke und Zeichnungen anschaue, dann glaube ich zumindestens nicht dümmer- aber ob sie friedlicher und weniger grausam waren, das weiss keiner und ich hüte mich mehr und mehr davor zu sagen, dass die alten Kulturen, die alten Zeiten die besseren waren-

      herzlichst
      Ulli

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  3. Ach, wie schön, liebe Ulli! Ein feiner Text ist das, und die wunderschönen Bilder erinnern mich sehr an eigene Reisen in die Bretagne … und machen wieder große Lust, dort einmal wieder Zeit zu verbringen. Eine tolle Gegend ist das; ich mag diese geheimnisvoll wirkende Landschaft sehr!
    Danke Dir für’s Teilen!!
    Herzlich, mb

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    • Ich möchte auch unbedingt noch einmal dorthin, es war ja das erste Mal, dabei träume ich schon mindestens 30 Jahre davon „einmal“ in die Bretagne zu fahren, nun träume ich vom zweiten Mal … lach- aber es ist wirklich so beeindruckend und so vielfältig, dass ich innerhalb der knapp zweieinhalb Wochen nur erst einmal „reinschnuppern“ konnte. Wir überlegen nächsten Herbst
      (Mitte September) noch einmal den weiten Weg dorthin zu rollen … hach, ich freue mich, dass ich diese Faszination mit sooo vielen Menschen teilen darf. Ich danke auch dir und sende dir herzliche Abendgrüsse
      Ulli

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  4. Ich habe gestern die Greifswalder Oie besucht und dort Stille und reinste Natur gefunden. Aber das wurde erst möglich, nachdem ein Verein (Vogelschutz und wissenschaftliche Vogelzählung) die Insel „übernommen“ hat. Nach der Wende waren täglich um die 600 Menschen auf dem Eiland unterwegs und haben sehr viel Schaden in Feld und Flur angerichtet. Jetzt fährt nur noch viermal in der Woche ein Schiff mit einer sehr überschaubaren Anzahl Interessierter die Insel an. Der „Eintrittspreis“ hält wohl viele von einem Besuch ab. Deinen Ausdruck leergeknipst kann ich sehr gut verstehen. So erging es mir am Uluru.
    Ich grüße Dich ganz herzlich!
    Elvira

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  5. Pingback: Rückblick – 5 – |

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