blaue Stunde -17- Schichten

001 schichten

 

Klick gleich gross – heute Morgen im Hochtal

Schicht für Schicht türmt sich der Schnee vom Tag zur Nacht zum nächsten Morgen. Wind bläst Dünenlandschaften, wellt die Hochebene. Eiszapfen wachsen.

Was macht der Fuchs, wenn der Dachs schläft? Was machen die Karpfen im Teich?

Wattebäusche liegen über den Gedanken, nur langsam gleitet der Füller voran. Imbolc- vier Nächte vor Vollmond. Fräulein Smilla wüsste all die verschiedenen Schneeformen der letzten Tage zu benennen. Ich kenne Pulverschnee, damit fing alles an. Und ich kenne verharschten Schnee und Schneegraupel, damit ging es weiter. Mit Schneeregen und Schneematsch hört es wieder auf, irgendwann. Und das kann dauern in diesem Jahr! Fünf Worte für Schnee, aber es gibt so viel mehr Schneekonsistenzen, die in meinen Breiten namenlos bleiben. Fräulein Smilla könnte helfen.

Wir können jetzt Iglus bauen, eine Schneegarage gibt es schon.

002 Schneegarage

 

Wir können Körner für die Vögel streuen und Essensreste in den Hauseinigang stellen. Winzige Pfoten verraten am Morgen den nächtlichen Besucher. Möge er sich satt gefressen haben!

003 spuren

 

Ich bin ein bisschen wie der Igel, die Bärin oder der Dachs, mag meine warme Höhle, labe mich an den gesammelten Vorräten des letzten Jahres, verzehre den Weihnachtsspeck.

Ich träume, erträume mir das kommende Jahr.

Ein bisschen bin ich auch wie Tomte Tummetott. Schleiche durch die Nächte, tröste und flüstere in die Ohren der vom schweren Mut hängenden Köpfe Schneeglöckchenbilder. Und wieder habe ich im Herbst vergessen die Knollen der Märzenbecher in die Erde zu stecken. Schade! Ich flüstere in die Ohren derer, die süchtig nach dem Sehnen was gerade nicht ist sind: es wächst die Vogelmiere weiter unter dem Schnee und in wenigen Wochen läuten die Glöckchen an den südlichen Hauswänden den Frühling ein.

Ich träume. Es ist die Zeit dazu. Erträume mir das Neu. Spüre hin zu den Pfaden, die Vertiefung wollen, lupfe den Deckel des Kessels, den ich zur Wintersonnenwende schloss. Lasse den Duft der Lebenssuppe frei, schmecke ihre Ingredenzien, betrachte die Komposition und beginne zu würzen und zu verfeinern. Zwölf Monde habe ich jetzt Zeit.

Die stille Zeit ist vorbei. Sie war eine Fledermaus in diesem Jahr: husch und weg. Die Unruhe der Welt hat sie mit sich genommen, der Wind blies dazu. Kaum eine Nacht in der er geruht hat. Hier stehen noch alle Bäume.

Es schichten sich die Fragen, wie der Schnee. Bin ich gerüstet für all das, was noch kommen kann? Bin ich nicht manchmal zu sehr Igel, Dachs oder Bärin? Die Freundin sagt, dass niemand wirklich auf die Probleme vorbereitet ist, die es jetzt in der Welt zu lösen gilt. Ich stimme zu und zubbel an der eigenen Nase.

Es schichten sich die Jahre, wie der Schnee auf der Hochebene, nicht alle haben einen Namen.

004 Winterstill

26 Gedanken zu „blaue Stunde -17- Schichten

  1. So sieht es bei mir auch aus. Schade das wir wohl keine Bilder hier einstellen können – meine es einmal in einem anderen Zusammenhang versucht zu haben. Ich drehe jetzt mit den LL-Skier einen genüssliche Runde. Geniesse weiter diesen wunderbaren Tag. Ruth

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    • Liebe Ruth, ich glaube das geht über copy paste … weiss es aber nicht so ganz genau- ich war heute gar nicht draussen, aber morgen, denn morgen soll die Sonne scheinen, eine kleine Pause muss ja auch Frau Holle einmal einlegen!
      habs fein und herzliche Grüsse
      Ulli

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    • liebe Xenia, ich habe jetzt erst Tomte Tummetott entdeckt, schenkte der Enkelin ein Bilderbuch zu Weihnachten, das war noch ein bisschen zu früh, sie hat mir gestern erzählt, dass sie es jetzt erst einmal nicht mehr anschauen will- ich kann es gut verstehen 😉
      heute dachte ich, dass ich gerne Pakete mit Schnee packen würde und sie zu allen schicken würde, die sich so sehr Schnee wünschen, hier gibt es so viel … und es soll noch mehr werden, ich weiss ja nicht, ich weiss ja nicht … noch geniesse ich es!
      liebe Grüsse zum Abend
      Ulli

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    • ja, alle Jahre haben einen Namen, nur manche sind mir entfallen und alle Schneekonsistenzen auch, aber die kennen nur die Samen und die Inuits … ja, es gefällt mir gerade so, wie es ist, vielleicht liegt das auch an all den feinen Reisen, die in diesem Jahr noch kommen werden …
      liebgrüss Ulli

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  2. Ich schließe mich Pit an: Schön geschrieben und schön fotografiert. Besonders das erste Bild hat es mir angetan: Ich bleib jetzt einfach stehen und schaue zu, wie die Stufen langsam zuschneien. Bis dahin nicht wieder schippen, okay? 😉

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    • ich werd mich hüten, liebe Maren 🙂
      danke und Freugrüsse vom Berg in die Hansestadt … ich komme übrigens Mitte/Ende März für ein paar Tage in meine neue Lieblingsstadt, vielleicht … ?!
      liebgrüss von mir zu dir Ulli
      die Mail habe ich nicht vergessen!!!

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      • das freut mich, ich melde mich dann ein paar Tage vorher, wenn ich genau weiss wann ich in der Hansestadt bin, damit wir etwas ausmachen können, und die Mail … bin heute Morgen damit aufgewacht, es scheint MIR dringend zu sein- lach
        geniesse diesen Tag
        herzliche Grüsse Ulli

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    • welch eine Ehre, liebe Marbey, ich habe mich gerade sehr gefreut und danke dir auch noch einmal hier. Schön ist es, wenn andere mit in meinen WorteBilderFluss steigen können und die Fahrt geniessen 🙂
      liebe Grüsse
      Ulli

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  3. soooo viel schnee! liebe ulli, das sieht grandios aus und deine worte beschreiben das drumrum so vortrefflich, dass ich ihn mögen könnte, den winter mit so viel schnee 🙂
    trotzdem reicht mir die dünne puderzuckerschicht hier.
    wenn bei dir die sonne heute rausschaut, dann grüße sie von mir. ich vermisse sie sehr!
    von hier zu dir ein lieber gruß!

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    • guten Morgen, liebe Eckisoap, die Sonne wagt sich sehr vorsichtig heraus, ich gehe gleich mal mit der Kamera raus und dann grüsse ich sie von dir, sie ist ja auch hier auf dem Berg selten zu sehen …
      liebe Grüsse vom Schneeberg in die Ebene
      Ulli

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    • hihi, nun muss ich schmunzeln und habe dich beim flunkern erwischt, denn schon bist du weitergezogen und das ist auch vollkommen in Ordnung- schön, dass du dich hier für einen Moment heimisch fühlst!

      good days and ways for you
      Ulli

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  4. Pingback: Winterimpressionen |

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