mein Weg zur Künstlerin

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Hagen Graf fragt auf seinem Blog nach dem Verständnis von Kunst und von sich selbst als Künstler, respektive Künstlerin. Soso machte auf ihrem Blog darauf aufmerksam. Danke an euch beide!

Zunächst einmal glaube ich nicht, dass man zur Künstlerin wird, allerdings braucht es den Mut sich selbst als eine solche zu erkennen, sich so zu nennen, der Künstlerinnenseele Zeit und Raum zu schenken, das war zumindest bei mir so. Hätten mich Freundinnen und Freunde und andere Künstler_innen nicht als solche angesehen und bezeichnet, würden meine Werke und meine Künstlerinnenseele wohl noch immer ein Schattendasein führen.

Es braucht ein Talent, Kreativität und, was mir als noch viel wichtiger erscheint, es braucht den inneren Drang sich ausdrücken, mitteilen zu wollen. Und schon bin ich bei Hagens erster Frage angekommen:

1. was verstehst du unter Kunst?

Kunst ist für mich der Spiegel der Welt in ihrer jeweiligen Zeit, durch die Augen, Ohren, Hände, Füsse und Körper eines Menschens in den persönlichen Ausdrucksformen, aber auch der Spiegel von mir selbst, meinem aktuellen Sein mit allen Gefühlen und Gedanken. So kann es passieren, dass manche Bilder erst einmal mehr von mir wissen, als ich selbst. Kunst ist für mich der Überbegriff für jede Form der bildlichen Darstellung, sprich: Fotografie, Malerei, Collagen und Montagen, es folgt die Bildhauerei, formen mit Ton, Stoff und allen sich anbietenden Materialien, Installationen, Performancesses, ebenso Musik, Schauspiel, Filme, Hörspiele und Literatur.

Kunst ist für mich die Verdauung der Welt. Von sich aus fragt sie nicht nach dem Sinn, sie entfaltet sich bei denen, die sonst Verstopfung kriegen.

2. worum geht es bei dir in der Kunst?

Für mich ist Kunst ein Ventil von meinem Innen ins Aussen.Ich bin eine Bilderkünstlerin und Autorin. Bilder sind meine Fotos, meine Fotomontagen und Collagen. Lange bevor ich in diesen drei Sparten heimisch wurde, malte ich und machte Collagen mit Schere, Klebstoff, Pinseln und Farbe. Ich nenne meine Bilder Seelenabdrücke und Momentaufnahmen. Manche Seelenzustände halten sich, manche wandeln sich, bekommen Falten und Runzeln und werfen Schatten auf vorher Eindeutiges. Es braucht meine Worte und Bilder, um mich ihnen zu nähern, um sie zu verstehen. Auch die Zustände der Welt und ihr Gesicht, ihre unzähligen Spielarten wollen verstanden und verdaut werden.

Ich folge meinem Bedürfnis mein Erleben, mein Fühlen und Denken zu teilen, sichtbar werden zu lassen, für die Berührung, Reibung, Inspiration und Provokation. Sie schenkt mir den Raum zu spielen, mit Bildern und Worten. Sie ist es, die meinen Horizont erweitert, ob nun durch die Werke anderer oder durch meine eigene Schaffenskraft.

3. wie entstehen deine Kunstwerke?

Die meisten meiner Werke entstehen spontan und intuitiv, ich folge meinem inneren Faden. Erst vor sechs bis sieben Jahren habe ich damit begonnen mir Themen zu stellen, sie zu verfolgen und zu vertiefen. Sie drücken sich sowohl in meinen Fotos, Fotomontagen und Collagen, wie aber auch in meinen Texten, Gedichten und Geschichten aus.

4. hast du ein Atelier?

Leider habe ich kein Atelier, ich habe eine Kamera, einen Computer, meine Leerbücher und manchmal muss auch der Küchentisch herhalten, aber es wäre fein eins zu haben, noch immer würde ich gerne „gross“ arbeiten …

5. wie bist du eigentlich Künstlerin geworden?

Wie oben schon geschrieben, glaube ich nicht, dass ich zu einer Künstlerin wurde. Meine kreative Seite war schon immer bei mir, Bilder und Worte begleiten mich ein Leben lang, in jungen Jahren spielte ich noch Theater. Die Kreativität zeigt sich überall, ob nun in der Gestaltung der Wohnräume, des Gartens oder des Seins.

Ich will aber auch nicht verschweigen, dass ich im Herbst 2007 einem Programm von Julia Cameron folgte: der Weg des Künstlers. Hier wurde ich mit vielen meiner Ängsten und Abwertungen von mir als Künstlerin konfrontiert. Nach der Absolvierung dieses zehnwöchigen Programms folgte der erste Schritt mich der Welt zu zeigen. Im November 2007 schrieb ich auch mein erstes Buch: Gamuppels Sternenreise, eine Geschichte für Menschen von acht bis einhundertacht Jahren, erschienen im prignitz pur Verlag.

6. wie verbringst du einen normalen Tag?

Ich muss lachen, normale Tage … tja, wie sehen sie aus und gibt es sie für mich überhaupt? Meine Tage folgen sich selbst mit ihren spezifischen Aufgaben und Bedürfnissen. Die liebsten Tage sind mir die, an denen ich nach dem Aufwachen eine Kanne Grüntee koche, den Tag mit Trommel und Gesang begrüsse, mich recke und strecke und eine Runde meditiere, dann erst kommt die To-Do-Liste, meinen Blog pflegen, andere Blogs besuchen. Gerne gehe ich dann spazieren, sammele Bilder, arbeite an meinen Themen weiter, die eh präsent sind, sobald ich sie gefunden habe. Und wenn ich dann noch an kochen, essen, Körper- und Beziehungspflege denke, ist es schon wieder Mitten in der Nacht.

7. wie finanzierst du dein Künstlerleben?

Ich koche in diversen Seminarhäusern für mein Brot auf dem Tisch und coache Einzelne oder Gruppen, bei der die Natur eine zentrale Rolle spielt. Von manchen Bildern mache ich Postkarten, die sich dann nach und nach verkaufen, wie mein Buch eben auch, aber davon kann ich weder die Miete, noch irgendetwas anderes finanzieren.

8. wo kann ich deine Kunst sehen und vielleicht sogar kaufen?

In meinem Blog kannst du meine Bilder sehen, meine aktuellen Texte lesen. Prinzipiell ist dort jedes Bild käuflich zu erwerben, zeitgleich mit diesem Artikel eröffne ich Galerie III, meinen Bilderladen. Willkommen in meinem blauen Cafè!

https://cafeweltenall.wordpress.com

wenn du mehr über mein Buch erfahren möchtest dann schaue doch auch noch hier:

https://gamuppel.wordpress.com/

Zurzeit arbeite ich an einer Sammlung meiner Texte, die im Blog unter „Blaue Stunde“ erschienen sind.

Das war es von mir, es hat mir Freude gemacht, danke dafür- und nun lese ich was Soso, Irgendlink, Mützenfalterin und … zu diesen Fragen geschrieben haben.

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35 Gedanken zu „mein Weg zur Künstlerin

    • ich glaube letztlich auch nicht daran hier DIE Wahrheit gefunden zu haben, nur meine Sichtweise von jetzt aus gesehen und Sichtweisen, sind wie das Meer: Wellen kommen und gehen und das Bild ist nie das Selbe, nur gleich …

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  1. Liebe Ulli!
    Ich bin schon vor Tagen auf die Fragen von Hagen Graf gestoßen, wollte schon antworten und habe mich aber entschlossen erst einmal in mich zu gehen. Morgen ist so eine Gelegenheit, ich habe eine Oberstufe mit achtzehn Schüler im Atelier zu Gast, wo ich eine Zwischenbilanz ziehen kann, obwohl ich eigentlich schon weiß wie die aussieht. Ich habe zudem momentan Zweifel daran, ob die Antworten für die Öffentlichkeit von Interesse sind oder ob die nicht besser im persönlichen Gespräch mit wem auch immer erörtert werden sollten. Vielleicht auch nur mit mir selbst.

    Deine Antworten habe ich mit Interesse gelesen und bin am Satz, dass die Kunst für Dich die Verdauung der Welt ist, hängengeblieben. Sehr schön! Beim gedanklichen Weiterverarbeiten der entstandenen Assoziationen wie Darmflora, Verdauungsergebnis, Sodbrennen, Blähungen, Ausscheidungen musste ich innerlich Schmunzeln. Es entstanden Bilder. Na ja.

    LG Jürgen

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    • guten Morgen Jürgen,

      ich war mir anfangs auch nicht sicher, ob ich mich diesen Fragen stelle und ob ich es überhaupt veröffentlichen will, als ich dann, erst einmal nur für mich, begann die Fragen zu beantworten spürte ich in mir eine Art Aufrichtung und Positionierung. Für mich ist die Künstlerin in mir und sie auch als solche zu bezeichnen, noch ungewohnt, sozusagen eine Pubertierende auf dem Weg zur Erwachsenen, was sich für dich, der du ja schon lange Zeit als Künstler lebst bestimmt anders ist. Trotzdem bin ich natürlich neugierig auf deins.
      Was ich aber auch feststelle ist, dass diese Antworten letztlich nur vorläufig sind, wandelbar, wie so vieles und sicherlich gibt es eine Menge Ansatzpunkte für Debatten und weiterführende Gespräche. Ich bin gespannt wie du dich entscheidest und ob du nun diese Frage beantwortest oder nicht, wir werden noch Gelegenheit finden diese Fragen und andere Themen, die um die Kunst kreisen zu erörtern und darüber freue ich mich.
      Solch ein Bild von dir zum Thema der Verdauung würde ich auch gerne sehen 😉
      liebe Grüsse send ich dir und wünsche dir einen feinen Tag, hier scheint die Sonne auf die Alpen in der südlichen Ferne …
      Ulli

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  2. sehr inspirierend, liebe Ulli deine Gedanken zum Künstlersein und zu einem „normalen Tag“ in deinem Leben. Und da ich erst kürzlich auf deinen Blog gestoßen bin höre ich heute zum ersten Mal vom kleinen Wicht Gamuppel und finde ihn ganz bezaubernd. Liebe Grüße

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    • guten Morgen Lara, schön, dass du Gamuppel magst und du auch diesem Blog folgst, es ist allerdings etwas ruhig um den kleinen Kerl geworden, da muss ich wohl mal wieder mehr die Werbetrommel rühren. Ich danke dir und wünsche dir einen feinen Tag
      herzliche Grüsse Ulli

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  3. Haha, soll ich dir was sagen: So richtig erstaunt hat mich dein Satz über die Verdauung der Welt nicht. Deine Bilder und auch die Texte hatten so was in der Art schon angedeutet. 😉 Schön zu lesen, wie du dahin gekommen bist, wo du jetzt bist, und was du sonst so treibst.

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    • witzig, die Verdauung der Welt hakt sich doch bei vielen ein, wie ich gerade schon etwas weiter oben an Jürgen schrieb, sehe ich diese Antworten als nichts festes an, sie sind wandelbar, diskutierbar-
      herzliche Grüsse vom sonnigen Berg in die Hansestadt
      Ulli

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  4. Liebe Ulli, dein Satz „…aber davon kann ich weder die Miete, noch irgendetwas anderes finanzieren.“ lässt ja die Frage offen, dass es doch irgendwie von irgendwem bezahlt werden muss, was du jetzt hier aber nicht erläutern musst.
    Ich habe ja schon viele hübsch anzusehende Fotobücher gestaltet, bin auch sonst mit ein wenig Kreativität beschenkt worden und habe zu früheren Zeiten, besonders Arbeitsloszeiten, schon oft den Tipp bekommen, dass doch gegen Entgelt zu machen.
    Doch stets fiel die Entscheidung dagegen, weil ich mich nicht drängen lassen will – ich mache etwas, wenn ich es will, nicht, wenn es andere von mir wollen.
    Guten Morgen sagt Clara

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    • guten Morgen Clara,
      es gibt ja auch die Frage wie ich mein Künstlerinnendasein finanziere, dort findest du die Antwort, ich kann weder von meinem Buch, noch von den Bildern leben, aber ich bleibe dran … vieles gäbe es noch dazu zu sagen, aber das gehört hier schlichtweg nicht hin, das hast du gut erspürt. Danke dir.
      einen fröhlichen kreativen Tag wünscht dir Ulli

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      • Richtig, liebe Ulli, man, besser frau, muss diesem neugierigen Moloch von Netz nicht zu viel zum Fraß vorwerfen, da er es nicht immer richtig verarbeitet.
        Mein Morgen fing erst später an, da aber mein gestriger Tag auch erst früh 4.40 Uhr zu Ende war. Ich „musste“ dringend Sendersortierarbeiten in meinen drei Favoritenlisten am Fernseher machen. Ich hatte erwartet, dass das das Samsungdingens allein macht – doch entweder haben die Programmierer schlecht gearbeitet oder ich habe was falsch gemacht. – Doch jetzt ist es so einigermaßen nach meinen Wünschen.
        Heute wird mein „kreativer Kopf“ 🙂 geschoren und der Hund gekrault – da bedarf es keiner Kreativität, einfach nur Bauch kraulen bis zum Abwinken.

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    • ei, da bist du ja, freut mich! nein, ich habe keinen Twitteraccount, du bist nun schon der Dritte, der mich fragt, vielleicht sollte ich mich dort ja auch noch anmelden? mal schauen … aber danke fürs verlinken!
      herzliche Grüsse
      Ulli

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  5. Pingback: die Kunst & ich – ich & die Kunst | h e h o c r a

  6. Liebe Ulli, wir kennen uns noch nicht, aber ich freue mich schon auf den Salonabend bei Susanne. Und irgendwie bin ich schon vor einigen Tagen vorab auf Deinen Blog und insbesondere diesen interessanten und inspirierenden Beitrag gestoßen… Ich war gerade in einer Phase, in der ich mir auch mal wieder meine Gedanken zur Kunst machte… Da habe ich mal die Fragen aufgegriffen und nach einigen Tagen des Wirkens in meinem Blog niedergeschrieben. Vielen Dank für Deine Sicht der Dinge und die Inspiration. Viele Grüße, Doreen

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  7. Pingback: Altes neu aufgelegt – 1 – |

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