die Schatten werden lang und länger

009 die Schatten werden lang und länger

(aus dem entstehenden Herbstzyklus der kleinen Stadt – draufklick = gross)

Es hängt ein halber Mond am Himmel. Stille. Kein Wind. Der Dorfbrunnen wurde abgestellt, der Frost wird bald kommen. Aus dem Unterdorf bellt ein Hund herauf, daneben verhallen die kleinen Glocken der elften Stunde. Die Kaiserin geht ins Haus. Sonst nichts. Es fliegt kein Flieger über den schwarzen Wald, nicht jetzt. Ruhepause. Ruhewagen. Auf der anderen Seite der Gleise steht der Zug nach Orten jenseits der Nacht. Manchmal wird man von Möwen geweckt und denkt sich Wellenrauschen. Manchmal schauen graue Felsen ins Morgenzugfenster hinein, man denkt sich Schnee. Im Oktober riefen sich über Berlins Dächern die Wildgänse ihre Flugroute zu, ich dachte mir ihre Formationen. Sie flogen gen Süden, wir blieben noch einen Moment.

Die Schatten werden lang und länger, heller wird es in den Häusern, jetzt.

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29 Gedanken zu „die Schatten werden lang und länger

      • Liebe Ulli,
        „Sonnenland“ war gestern bedeckt, windig und kalt. Heute weiß ich noch nicht genau: ist ja erst Morgendämmerung. Wärmer als gestern bestimmt, und im Augenblick noch trübe.
        Genieße den schwarzen Wald unter einer weißen Decke,
        Pit

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        • danke, aber sie schmilzt dahin, garu ist es und trübe, nur in der Stube ist es heimelig, dafür habe ich jetzt gesorgt 🙂 und mache gleich weiter: Fenster putzen, ein bisschen Wintertand, da freut sich meine Mädchenseele …
          herzliche Grüsse Ulli

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  1. Was für ein wunderschöner Text. Im Radio läuft gerade Filmmusik, „My Edward and I“ von Dario Marianelli. Vielleicxtht ist es die Morgenstunde oder was immer – für mich fühlt es sich grad an, als ob dein Text und diese Musik füreinander gemacht wurden. Was für ein schöner Tagesbeginn. 🙂

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    • liebe Anhora, nun läuft die Musik auch bei mir im Hintergrund, da war ich doch neugierig, wie das zusammengeht und ja, du hast recht, es ist dieser Gemächlichkeit des Schritts, wenn die Kaiserin ins Haus geht und die Schatten lang und länger werden- nun danke ich dir für die Ergänzung, hach, so liebe ich Bloghausen! herzliche Grüsse Ulli

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    • dieses Mal wärmt sich die Eine am Text, der Andere am Bild, so oder so freue ich mich über die Zugewandtheit und das leise Mitschwingen- hier ist es grau, die Strassen das erste Mal weiss und ich bin froh, dass ich heute nur zum Hausofen über den Hof hin und her gehen muss, erst morgen wieder gehts raus in die Welt, gut so!
      halt dich schön warm … liebe Grüsse Ulli

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  2. Liebe Ulli!
    Zwei Formulierungen lasse ich jetzt mal sacken und erhoffe Inspiration: „die Kaiserin geht ins Haus“ und „Unterdorf“.
    Ein komplexer Text mit einer Vielfalt und Vielzahl an Bildern ist Dir da gelungen, toll!
    LG Juergen

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    • da bin ich gespannt, lieber Jürgen, wie sich meine Worte in dir niederlassen und vielleicht zeigen werden …
      als ich den Text schrieb, fiel mir auf, dass meine kleine Kaiserin in der Schublade darbt, vielleicht hole ich sie jetzt bald einmal heraus, damit sie weitergehen kann …
      hab einen feinen Tag, voller Schaffenskraft und Inspirationen am Wegesrand
      Ulli

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    • Liebe Soso, auch wenn nun heute Morgen das erste Mal die Strassen weiss sind, so bleibe ich beim kalendarischen Winteranfang am 22.12., noch ist auch der Herbstzyklus der kleinen Stadt nicht abgeschlossen. Gerade eben halte ich Rückschau, mehr dazu ab morgen …
      ich freue mich, dass dir der Text gefällt 🙂
      hab einen feinen Tag- herzliche Grüsse an euch beide Ulli

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      • Schnee kann man das eigentlich noch nicht nennen, eher Schneematsch, die Wiesen sind weiterhin grün und ich übe mich mal wieder darin auch dieser jahreszeit ein wenig Freude und Zugewandtheit abzugewinnen … schauen wir mal, wann ich anfange zu jammern 🙂

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  3. Ach, wunderbar, liebe Ulli, jetzt schaue ich schon minutenlang auf das feine Bild und spaziere in Gedanken vor und hinter den Fenstern herum… Hier hing auch ein halber Mond am Himmel letzte Nacht, der war aber mehr wie eine kaputte Straßenlaterne, mal an, mal aus, wegen Wind und Wolken. Das denk ich mir jetzt mal alles weg und lausche dem „Zug nach Orten jenseits der Nacht auf der anderen Seite der Gleise“. Was für ein besonders schöner Satz in einem zauberischen Text!

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  4. Jetzt kommt gleich die Drinnen-Zeit, Ulli. Eine harte Zeit für mich Herumtreiber. Abder wenn die Schatten länger werden und die Häuser heller … dann bleibe auch ich einen Moment. Bevor es wieder weitergeht. Denn irgendetwas geht immer in diesen besinnlichen Zeiten.

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen, Fritsch.

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    • ja, irgendwas geht immer, ob nun im Aussen oder im Innern, ich geniesse es gerade so, wie es ist, vielleicht weil ich weiss, dass ich Ende Februar schon wieder in den Norden reisen werde, dann beginnt die nächste Wanderschaft und der Frühlingsanfang ist nicht mehr fern. Als Frau mit einer Zugvogelseele scheint es mir, dass ich endlich die richtige Form des Lebens für mich gefunden habe und das schenkt mir gerade eben Freude am Berg und der stillen Zeit …

      liebe Grüsse Ulli

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