Grafittis aus Berlin I

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Als ich 1984 nach Berlin zog, fiel mir auf, dass die Menschen auf der Strasse ausnehmlich weiss waren, ganz im Gegensatz zu Amsterdam und Paris, wo ich zuvor das eine und andere Mal gewesen war. Ja, es gab TürkInnen, KurdInnen, PalstäninenserInnen und viele andere Nationen, aber es gab kaum farbige Menschen. Das änderte sich erst mit dem Mauerfall und der Migrationswelle der letzten Jahrzehnte. Heute ist das Stadtbild bunt und ich mag das! Nun gibt es also auch Streetart von farbigen Menschen und diese sind mir auf meinen Streifzügen begegnet …

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Wenn ich sage, dass ich das bunte Bild in den Strassen mag, dann ist das zunächst einmal so, aber es ist auch so, dass ich die Problematik dahinter sehe, ich spüre den direkten bis subtilen Rassismus, wenn ich durch die Strassen gehe, von der einen, wie von der anderen Seite, sehe die Ausgrenzung der „Anderen“, fühle den Hass, höre die Vorurteile, sehe die Armut und den alltäglichen Kampf ums Überleben, rieche die Angst vor dem Fremden …

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Nelson Mandela ist tot und wir sind weit davon entfernt Brüder und Schwestern zu sein, vielleicht so weit, wie nie zuvor? Wir satten EuropäerInnen wollen nicht teilen, wollen keine bunten Stadtbilder, wir wollen Heimat, Jodelkultur und Würstchen … oder nicht?! Vorsicht, die Rechte formiert sich, es gibt einen Schulterschluss europaweit, man hat nun ein gemeinsames Ziel: gegen Überfremdung (was immer das heissen soll), gegen Europa, man nährt wieder den Nationalstolz, nicht nur in Deutschland. Und mir … mir wird schlecht! Ja PORFAVORH … für ein buntes Miteinander, für Respekt und Toleranz und immer noch für die internationale Solidarität! Hunger kennt viele Gesichter …

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P.S. gestern hörte ich in SWR 2, dass es in Deutschland viel mehr Menschen gibt, die helfen wollen, als noch in den Neunzehnhundertneunziger Jahren, das macht Hoffnung!

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19 Gedanken zu „Grafittis aus Berlin I

      • liebe Hanne, herzlich Willkommen zurück, du/ihr wart ja auch gerade in der Hauptstadt und wie ich bei Klausbernd lesen konnte, war es auch für euch eher anstrengend- diese Stadt ist sehr voll, hat so viele Gesichter in allen Beziehungen, sodass ich meine Bilder aufteile- auf meinen Streifzügen musste ich immer mal wieder innehalten, mein kleines schwarzes Notizbüchlein zücken und Gedanken aufschreiben und ganz ehrlich, ich habe tief ausgeatmet, als ich am 03.10. Richtung Ostsee fuhr- bin eben nun auch zum Landei mutiert, nicht die schlechteste Wahl 😉

        danke dir und herzliche Grüsse Ulli

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  1. Du hast so Recht! Dem Rassismus begegne ich durch die vielen Kontakte mit Menschen jeden Tag. Und, ich muss es gestehen, ich kann nicht mehr immer etwas dazu sagen. Ich bin es so leid! Und doch weiß ich, dass genau das das falsche Verhalten ist. Wenn darüber geklagt wird, dass unsere Siedlung nicht mehr so gepflegt wird, weil da ja „nur noch Pollaken und Russen“ arbeiten würden, was soll ich dem Nachbarn erwidern? Der hat so eingefahrene Meinungen. Im Frühjahr stand eine Patientin voll verschleiert in unserer Praxis. Die Blicke der anderen waren furchtbar. Einer fragte, ob wir denn hier Karneval feiern würden. Da konnte ich den Mund dann nicht mehr halten. Ich habe die Frau später gefragt, wie sie das ertragen kann, jeden Tag aufs Neue. Sie hat nur gelächelt (ich war mit ihr im Sprechzimmer unser Ärztin und sie hatte den Schleier abgelegt) und gemeint, dass sie die Blicke nicht mehr sehen würde. Sie würden sie nicht berühren. Rassismus ist so vielschichtig. Das eingefügte „spricht aber gut deutsch, dafür dass aus diesem oder jenem Land kommt …. hat sogar Abitur, studiert, Dr.Titel….da war es richtig sauber in der Wohnung“ und und und zeugt davon. Solange es den Menschen sozial gut geht, scheint der Rassismus zu schrumpfen. geht es ihnen vermeintlich oder wirklich schlechter, nimmt er zu. Ach, das ist so ein großes Feld, dass es zu beackern gilt.
    Liebe Grüße an Dich,
    Elvira

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    • liebe Elvira,

      ich danke dir, SEHR für diesen Kommentar, besonders, dass du den subtilen Rassismus in Worte gefasst hast:“spricht aber gut deutsch, dafür dass aus diesem oder jenem Land kommt …. hat sogar Abitur, studiert, Dr.Titel….da war es richtig sauber in der Wohnung”, der stösst mir immer am meisten auf, das sind nämlich meist die Leute, die behaupten, sie wären doch kein bisschen rassistisch- und du hast Recht, es ist ein Riesenfeld, für und von allen Seiten, denn nicht nur wir Deutschen, wir Weissen sind es, auch die farbigen Menschen pflegen ihn auf ihre Weise, das darf man einfach nicht übersehen, wenn man sich dieser Diskussion stellt. Ich kann es ihnen nicht verdenken, aber gutheissen eben auch nicht!

      Seit ich in Berlin war ist mir einmal mehr klar, dass es nicht geht den Mund zu halten, vielleicht hast du ja schon bemerkt, dass ich in den letzten Monaten wieder kritischere Artikel schreibe, nur schön, schön geht für mich nicht (mehr), wenn es in der Welt brennt.

      herzliche Grüsse
      Ulli

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  2. Ich schlage so oft die Hände über dem Kopf zusammen, was ich allein im Bekanntenkreis für Meinungen über Ausländer oder Asylbewerber hören muss. Deutschland ist im ganzen gesehen kein gastfreundliches Land. – Wenn es den Gefährdeten in der Nazizeit auch so gegangen wäre, hätten bestimmt noch weniger überlebt. – Doch war es damals nicht auch für die leichter, die sich ihre Freiheit erkaufen konnten.?
    Lieben Gruß von Clara

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    • Liebe Clara,

      ich glaube schon, dass es mit ein bisschen Geld im Säckel einfacher war und ist, so traurig, wie es ist. Wie ich gerade schon Elvira antwortete, wir dürfen einfach nicht verstummen und auch die Bekannten damit konfrontieren was sie an Vorurteilen hegen und pflegen, es ist mühsam, ja, aber ich will mir am Ende ins Gesicht schauen können!

      danke dir und herzliche Grüsse
      Ulli

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  3. Das Tolle am Schlimmen ist die Gegenbewegung – immer und überall.
    Möge sie stärker sein als der ganze Rassismus. Und wir endlich verstehen, dass wir nur miteinander vorwärts kommen. Vorwärts Richtung Lebensqualität für ALLE.
    Danke für deine Gedanken und Bilder!

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    • Leider ist die Gegenbewegung nicht grösser, aber sie ist unübersehbar geworden und das ist ja schon einmal etwas … und wir, wir dürfen eben auch laut sein und in unseren Artikel nicht müde werden das eine und andere zu benennen.
      Liebe Soso, danke dir für deins und herzliche Grüsse von Berg zu Berg
      Ulli

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    • danke dir, lieber Jürgen, ja diese Zeit und dieser Ort sind eben nicht nur leichtfüssige sightseeingtour … ich freue mich, wenn auch andere nachdenklich werden und die Kommentare über schön und super hinausgehen 😉

      herzlichst
      Ulli

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    • ah, du bist in der Hauptstadt? an welchem Grafitti bist du denn vorbeigestreift? Und wie ist es für dich dort zu sein? Im letzten Jahr war ich ja mehrmals in Hamburg und irgendwie finde ich die Hansestadt doch um einiges beschaulicher, vielleicht aber auch nur, weil ich dort in einer ruhigen Ecke unterkomme und dort eine echte Touristin bin?!

      danke dir und wie ich gerade schon Jürgen schrieb, es freut mich, wenn auch andere nachdenklich werden … dann ist mein Artikel nicht umsonst gewesen und geht über schön und I like it drüber hinaus, etwas, was ich mir doch immer wieder wünsche …

      herzlcihe Grüsse Ulli

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      • Liebe Ulli, bei nochmaliger genauer Inspektion meiner Fotos habe ich festgestellt, dass die Graffiti, denen ich in Berlin begegnet bin, deinen doch nur ähnlich sehen. So viele Bilder in der Hauptstadt – man wird ja ganz irre, wenn man aus dem beschaulichen Hamburg kommt… 😉 Liebe Grüße!

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