blaue Stunde -15- leichtes Gepäck

0150 31.08 14 februar

Der einzig sichere Platz in der Welt liegt in mir, sagte A nach einem Gang- ein Geschenk, als solches hatte sie es gesehen. Die darin versteckte Traurigkeit nahm sich erst während der darauf folgenden Tage Raum. Erneut sah sie A vor sich sitzen, sie staunte über die alte Weise im jungen Körper. Wie schön sie war!

Ein paar Tage zuvor hatte sie noch mit E. darüber gesprochen, dass sie in jungen Jahren nicht gewusst hatten, wie schön sie gewesen waren. Und sind wir es nicht immer noch? Sie hatten gelacht, sie und E. Auch A  wusste nur wenig von ihrer Schönheit, viel mehr wusste sie über die Last auf ihren Schultern, über den viel zu grossen und voll bepackten Rucksack ihres Lebens. Das Gefühl der einschneidenden Riemen hatte sie seit ihrem fünftem Lebensjahr nicht mehr verlassen.

Sie hatte ihr gegenüber gesessen, hatte alle Kanäle geöffnet, hörte, las und spürte A. Sie konnte das Bild von sich selbst von vor fünfunddreissigundmehr Jahren nicht daran hindern sich über A`s zu legen und blieb doch ganz Profi … fragte, schwieg, lauschte, spürte, lenkte, gerade so viel wie notwendig. So blieb das Geschenk eine Freude.

A hatte etwas in ihr berührt, etwas, das sie wohl kannte, dem sie aber nur selten Raum gab. Und wenn, dann setzte er augenblicklich ein, der Sog nach unten, gepaart mit Trotz, dem lautlosen Schrei des Edvard Munchs, all die Vergeblichkeiten, ohne dass ein Trost je etwas davon weggenommen hätte, alles Tun ein Antidot, verzweifelte Schwimmversuche aus dem Strudel heraus.

Wenn Geschichten nicht mehr geteilt werden, nur noch schnell gekochte Mahlzeiten ohne Blickkontakt, dann hört sie die Küchendielen knirschen, wie sie ihre Tore öffnen, für den Taumel in sich selbst zurück.

Es wird Zeit den Rucksack zu leeren, jedem Ding darin eine würdige Grabstätte zu schenken, die Schultern zu salben. Es wird Zeit für das leichte Gepäck!

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19 Gedanken zu „blaue Stunde -15- leichtes Gepäck

  1. Ja, weg damit, bevor es uns in den Strudel nach unten reißt. Am Ufer gibt es genug Alternativen, ob sie unseren Rucksack erneut beschweren, müssen wir erst herausfinden. Haben wir aber erst einmal herausgefunden, wie wir den Ballast loswerden können, dann wäre auch das kein Problem mehr. Am besten noch, bevor sein Gewicht uns erneut nieder drückt.
    Herzlichst,
    Elvira

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  2. es geht sich wahrlich leichter ohne diese lasten. und ja – wenn man weiß, wie es geht, kann man es immer wieder tun – ich kann….*und tanze lächelnd in meinen feierabend nach einem elend schweren tag* das wünsche ich. ..allen, dir mir…

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    • ich wünsche uns allen den Moment, in dem wir das, was nicht zu uns gehört, was uns runterzieht loslassen können, um mit leichtem Schritt durch dieses Leben zu gehen … danke dir

      liebe Grüsse Ulli

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  3. Oder frei nach Element Of Crime:

    „Der ganze alte Schrott muss ‚raus und neuer Schrott muss ‚rein / bis Morgen muss der ganze Rotz verschwunden sein“

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen, Fritsch.

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