Haus auf dem Land

Haus

Richard Powers – Schattenflucht:

„Als der Zorn wieder aufflammte, als du zurückfielst in das alte bittere Wie-du-mir-so-ich-dir, als du nur noch fliehen wolltest und am Ende nur noch Wurfpfeile auf die Weltkarte schleuderst, da war es mit einmal klar. Es gab nur zwei Möglichkeiten: entweder zurück zu dem alten Spiel, in dem jeder Vorwurf automatisch zum nächsten führt, in dem man die Rasierklingenschnitte der Worte betupft mit dem Alkohol der Liebe. Entweder der sanfte Sadomasoschismus noch ein weiteres, seelenzerreissendes Mal. Oder du kehrst ihm den Rücken und machst dich davon. Fliehst auf dem Pfad, auf dem du einst gekommen bist.

Noch einmal tränenreich versöhnen, das würde euch beide nur noch tiefer erniedrigen. Der Ort der Sehnsucht – das windschiefe Haus auf dem Land, dein Traum von trauter Nähe, der sie immer in helle Panik versetzte – ist nur noch ein Hirngespinst. Er weicht jenem düsteren, nächtlichen Ort, an dem das Zischen der Begierde in Misshandlungen mündet und Misshandlungen neue Begierden wecken.

Jeder von euch war die Sucht des anderen, immer wieder ging es zurück in den Alptraumrausch, aus dem ihr euch so verzweifelt befreien wolltet. Ein Dutzend Mal seid ihr zurückgekehrt von den Toten, nur um wieder rückfällig zu werden, schlimmer noch und wochenlang. Ihr habt das Delirium des Entzugs erlebt: einen Monat, zwei, ohne ein einziges Wort. Und dann, clean, unbefleckt, mit euch selbst im Reinen, seid ihr doch zurückgekehrt, nur um zu sehen, ob es geht. Nur um zu sehen, wer der Stärkere ist. Nur ein kleiner Nadelstich in die Vene des anderen, die bloss darauf wartete …“

selten habe ich eine bessere Beschreibung dessen gelesen, womit heute so viele ringen in der Sehnsucht nach Liebe und Zweisamkeit …

 

Advertisements

8 Gedanken zu „Haus auf dem Land

  1. Ich denke beim Haus auf dem Land immer an Kinder!
    Denn für mich ist es mit Kindern eine schöne Vorstellung – ohne Kinder mag ich das Leben in der Stadt lieber.
    Das Allein-sein beschäftigt viele Menschen, da die Frauen inzwischen selbstständig sind und Geld verdienen, sind die Anprücke an eine gute Partnerschaft viel höher geworden. Es gibt nicht mehr soviel Abhängigkeiten. Es ist wichtig, Kompromisse zu machen aber keine Faulen…..
    Eine schöne Woche wünscht dir Susanne

    Gefällt mir

    • danke, liebe Susanne, ich empfinde es sehr ähnlich, mich zieht es ja in den letzten Jahren auch wieder verstärkt in die Städte, aber noch nur als Besucherin … ich weiss nicht wirklich, ob ich wieder dort wohnen wollte, ich geniesse nach solch einem Besuch dann doch immer wieder auch die Stille-

      was du zur Partnerschaft schreibst unterschreibe ich …

      herzliche Grüsse Ulli

      Gefällt mir

  2. Mir fällt dazu sofort ein Abschnitt aus dem Buch von Meierhoff ein, in dem er, bereits erwachsen und schon lange nicht mehr in seinem Elternhaus lebend, seinen kranken Vater besucht. Er geht in das Schlafzimmer und findet seine Mutter, die zwischenzeitlich seinen Vater verlassen hatte, zusammen mit dem Vater im Bett. „…..Mein Vater hatte den Arm um meine Mutter gelegt. Ihr Kopf lag auf seiner Brust. Ich hatte sie noch nie so miteinander gesehen. So nah. Ich setzte mich auf die Bettkante und sah sie an:“Seltsam“, dachte ich, „das sind deine Eltern. Deine schlafenden Eltern. Du hast immer nur Vater und Mutter gehabt, aber niemals Eltern.“….. Irgendwann wachen die Eltern auf und der Abschnitt endet mit diesen zwei Sätzen: „Ich weiß nicht mehr, wie lange wir so dasaßen. Es war der schönste Moment mit meinen Eltern in meinem Leben.“ Mich hat diese Stelle sehr berührt, da sie so viel aussagt über diese Beziehung, darüber, wie der Autor sie wahrgenommen hat in seiner Kindheit.

    Gefällt mir

    • das ist eine feine Geschichte, danke dir, liebe Elvira, für mich heisst das u.a. auch, dass man es vielleicht nicht schafft einen Alltag miteinander zu teilen und wirklich Eltern zu sein, dass aber darüber hinaus Verbundenheit bestehen bleibt …

      herzliche Grüsse Ulli

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s