Loplops Geheimnis – Max Ernst und ich

max.

(der geflügelte Loplop wurde im August 1989 von Jürgen Pech in Saint Martin d`Ardéche fotografiert)

Laut den biografischen Eintragungen von Max Ernst selbst und Silvana Schmid, verließ Max Ernst 1938 Paris und die Surrealistengruppe, um zusammen mit Leonora Carrington ein Haus in Saint Martin d`Ardéche zu kaufen. Hier waren für ein paar Jahre die Liebe und die Kreativität daheim. Loplop und die Windbraut hatten sich gefunden.

Max Ernst – Die Windsbraut, 1927 at Pinakothek der Moderne Munich Germany

Wo immer Max Ernst in Frankreich wohnte, bemalte er die Innenwände seines Zuhauses, schmückte er die Fassaden mit seinen mystischen Gestalten, seinen geflügelten Wesen. In Saint Martin schrieb und malte auch Leonora Carrington, ihr hatten es die Schränke angetan, auf die sie „ihre“ Pferde malte …

leonora carrington

Silvana Schmid hat in dem Buch „Loplops Geheimnis“ eine Epoche in Max Ernsts und Leonora Carringtons Leben beschrieben, die bis dahin weitestgehend unbekannt, unbenannt geblieben ist. Eine Epoche, die durch die Grausamkeiten dieser Zeit ein schmerzliches Ende fand.

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„Sie“ hatten es wieder regnen lassen … die Deutschen waren in Frankreich einmarschiert und Max Ernst musste mehrmals in ein Internierungslager, war über Nacht zum Feind geworden. Leonora Carrington fiel bei seiner dritten Internierung in eine tiefe psychische Krise, verkaufte Hals über Kopf das gemeinsame Haus mit all seinem Interieur und floh über Spanien nach Portugal, nicht wissend was aus ihrem Geliebten geworden war. Genauso wenig wusste Max Ernst von dem Verbleib seiner Windsbraut und dem Verkauf des gemeinsamen Hauses. All das erfuhr er erst, als auch ihm die Flucht gelang und er sich bis Saint Martin durchgeschlagen hatte. In einer Nacht- und Nebelaktion stieg er in sein ehemaliges Haus ein, um aus dem Keller einige seiner Bilder zu „stehlen“, rollte sie zusammen und schlug sich, mit ihnen unter seinem Arm, bis Marseille durch, wo ihn Peggy Guggenheim unter ihre, nicht wirklich bequemen Flügel nahm. So gelang auch ihm, wie etwas früher oder später auch Leonora Carrington, die Flucht nach New York. Loplop und die Windbraut trafen sich wieder und doch fand hier ihre, im wahrsten Sinne des Wortes, „phantastische“ Liebe ihr Ende.

Aber hier endet das Buch von Silvana Schmid noch lange nicht. Sie hat wahre Detektivarbeit geleistet, um herauszufinden, was mit den Bildern, Skulpturen und Reliefs von Max Ernst und Leonora Carrington geschehen ist. Sie stieß auf einen zugeknöpften Hausbesitzer und es brauchte viel Recherche, um Licht ins Dunkle zu bringen. Gier, Schacherei, Getrickse und Betrügereien waren am Werk, die aber letztlich niemandem gedient haben, die am Ende alle als Verlierer dastehen ließen … Silvana Schmid zeigt einmal mehr, dass in der Kunst schmutzige Geschäfte genauso an der Tagesordnung sind, wie im ganz normalen Leben …

Und Loplop? Loplop, so er nicht gestorben ist, bröckelt er noch immer an der Hauswand in Saint Martin d`Ardéche. Loplop und die Windbraut … ein faszinierendes Paar, eine fesselnde Geschichte, spannend, wortreich und -gewandt von Silvana Schmid wiedergegeben.

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Spannend war auch die gestrige Ausstellung in Riehen in der Fondation Beyeler. Hier wird noch bis zum 08.09.2013 eine Retrospektive zum Werk von Max Ernst gezeigt.

Schon in ganz jungen Jahren entdeckte ich Max Ernst und bin seitdem eine große Verehrerin seiner Werke. Erst in diesem Frühling besuchte ich das Max Ernst Museum in Brühl.

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So zögerte ich erst „schon wieder“ eine Ausstellung von ihm zu besuchen. Aber wie wurde ich gestern überrascht! Hier hängen Bilder, die ich noch nie im Original gesehen habe und auch solche, die mir gänzlich unbekannt waren. Es war eine Freude durch die hellen Räume der Fondation Beyeler zu streifen, die Gemälde wirken zu lassen, mich immer wieder mit der Freundin auszutauschen, vor und zurück zu gehen, zu verweilen, zu studieren, zu lachen oder traurig zu werden, aber nie wurde ich ratlos, immer wieder bin ich neugierig, die Welten von Max Ernst zu durchstreifen, in seinen Landschaften spazierenzusehen.

Es ist, als ob ich immer wieder einen großen Bruder treffe. Auch ich bin in den Mondnächten Zuhause, werde begleitet von geflügelten Wesen, von Vögeln, Stieren und Gottheiten, deren Namen und Geschlecht ich nicht kenne und sie auch nicht kennen will.

Schwangerschaft, Aquarell 1979, Ulli Gau

Wenn ich die Dämonen von Max Ernst betrachte, erkenne ich meine wieder.  Seine Farben leuchten auch in mir.

Aquarell 1977 – Ulli Gau

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Max Ernst, Pyramid Lake, 1946, Sammlung Schamoni

Vielleicht hat ja jeder Mensch solch ein Künstlergeschwister, Einen oder Eine, die flüstert: Du bist nicht allein …
Aber wie es mit großen Brüdern und erheblich kleineren Schwestern ist, der Eine trägt noch seinen Ruhm im Tod, die Andere denkt: Was kümmert mich Ruhm, wenn es ums Brot geht …

Schon lange male ich nicht mehr, weil ich es schlichtweg nicht kann, ich habe die Fotografie, die Montagen und Collagen … die Freude, durch die erneute Beschäftigung mit Max Ernst, Künstlerinnen zu entdecken, die lange nicht so oft gezeigt werden, wie ihre männlichen Gefährten, egal ob es um Leonora Carrington oder um Dorothea Tanning, Max Ernsts vierte und letzte Ehefrau, geht … Die Frauen, die Kunst und das Kunstgeschäft ist noch einmal ein Thema für sich!

was mir gefällt, 20.08.2013 Ulli Gau
eine Collage aus Bildern von Mützenfalterin, Marcelo Leonard, Dieter Motzel, Alexandre Cabanel, Max Ernst und mir …

(please click to enlarge – bitte auf die Bilder klicken, dann werden sie groß)

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27 Gedanken zu „Loplops Geheimnis – Max Ernst und ich

  1. Ich denke das ein jeder**KÜNSTLERgeschwister in sich trägt…wenn ich so die BILDer anschaue berührt es mein HERZ auf eine ganz BESONDERE**WEISE**…dein BEITRAG ist WUNDERvoll dafür danke ich dir FRAU BLAU……und vielleicht wären WIR uns auch nicht begegnet wenn mich nicht dein GRAVATARbildchen das mit dem blauen HinderGRUND angezogen hätte….so zieht es mich oft zum GRAVATARbildchen…..ich wünsche dir einen SCHÖNen TAG voller WUNDER….HERZLichst ANDREA:))

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    • Als ich gestern von M.E. die Versuchung des heiligen Antonius sah, habe ich natürlich auch gleich an dich gedacht – ich glaube es wird Zeit, dass ich mich mit dieser Geschichte doch auch einmal näher beschäftige …
      herzlichst Ulli

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    • vielen Dank, ihr Lieben, ich wollte schon nach meinem Besuch in Brühl ausführlicher berichten, dann nach der Lektüre des Buchs, aber gestern dann musste es nun endgültig sein und ja, es gäbe ja noch soviel mehr über Max Ernst, aber eben auch über Dorothea Tanning, Leonora Carrington zu schreiben … mich freut nun einfach, dass euch der Artikel gefallen hat 🙂

      herzliche Grüße
      Ulli

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    • wie gut, dass du kommentiert hast, liebe Soso, so fiel mir jetzt erst auf, dass ich immer foundation statt fondation schreibe und als olle „gosh“ beyerle, statt beyeler … 😉
      ich awr ja schon öfter dort, so alle zwei Jahre etwa einmal, ich mag die Räume sehr und die Art der Präsentation, allerdings gab es auch dort schon Enttäuschungen, aber dieses Mal nun ganz und gar nicht- noch läuft ja die Ausstellung … ich weiß allerdings gar nicht, wie du zu Max Ernst stehst?!

      danke für deins und gaaanz herzliche Grüße
      Ulli

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  2. Ein wunderschöner Bericht über Max Ernst, von loplop über die Windsbraut und die Ausstellung bis zu… dir. Nun durfte ich auch mal frühere Bilder von dir sehen und verstehe, was du mit der Seelenverwandtschaft meinst. Vielen Dank für den Beitrag, liebe Ulli!

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    • herzlichen Dank, du Liebe … mir war ja beim schreiben über den Künstlerfreund schon etwas blümerant zumute … da isind sie wieder, die inneren Dämonen: die Kleinmacherei, die Vergleiche und andere auf einen Thron zu setzen … aber nun, in diesem Fall soll es mir erlaubt sein …
      herzliche Grüße
      Ulli

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  3. Danke, für die tolle Zusammenstellung. Die Fondation Beyeler möchte ich sehr gerne, hoffentlich bald, besuchen. Das Aquarell von dir gefällt mir sehr und die Collage finde ich auch spannend. Herzliche Grüsse, Roswitha

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  4. Liebe Ulli,
    habe herzlichen Dank für diesen informationsreichen, ausführlichen Artikel, den du auch fein bebildert hast. Eigentlich war ich nie ein Fan von Max Ernst, aber das werde ich überdenken. Auf jeden Fall werde ich mir das Buch kommen lasssen.
    Ganz liebe Grüße vom Meer
    Klausbernd und seine munteren Buchfeen Siri und Selma

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    • hoi, lieber Klausbernd,

      das freut mich jetzt, dass du es überdenken willst- mir wurde durch das Buch, aber zuvor durch den Film von Peter Schamoni noch einiges klarer, beides hat mir geholfen seine Bilder, jenseits von Faszination und Inspiration, besser lesen zu lernen!
      Vorgestern durfte ich auch erfahren, dass er 1. Autodiktat war und 2. seine frühen Werke von Paul Klee und August Macke inspiriert wurden, was man an den gehängten Beispielen gut erkennen konnte- jau, schon wieder Paul Klee 😉
      mir wurde wieder einmal klar, dass es hilfreich ist nicht nur die Bilder wirken zu lassen, sondern sie in Verbindung von Zeitgeschehen und dem Menschen dahinter anzuschauen.

      so, und nu gehts weiter, ich bin heute die fröhliche Putzfrau und schwinge den Sauger und die Lappen, muss auch mal sein, besonders weil mein Mitbewohner und sein Sohn nun bald aus Italien zurückkommen und ich dann am Donnerstag auf die große Reise gehe …

      sonnig herzliche Grüße
      Ulli

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  5. Liebe Ulli …

    Ich danke dir sehr für deinen Artikel. Das Buch scheint dich sehr ergriffen zu haben. Und ich möchte dir auch sagen, dass mir deine eigenen Bilder sehr, wirklich sehr gefallen. Vor allem das Schwangerschaftsbild, das ist wirklich wunderbar. Und ich würd’s wirklich sehr schön finden, wenn du wieder malst. Fotos und Collagen sind auch ein wunderbares Ausdrucksinstrument, das will ich gar nicht verneinen, aber Malen lässt noch einmal andere Saiten einer Seele erklingen, findest du nicht? Es ist weicher und hilfloser, weil man gerade aufgrund des „geringeren Werkzeuges“ soviel von sich preisgeben muss.

    Max Ernst hab ich tatsächlich auch nur so am Rande vernommen, aber mich nie so ganz auf ihn eingelassen. Das wird sich vermutlich jetzt auch ändern. Danke.

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    • poh, liebe Sherry, danke dir fürs Lob für mein Aquarell, das ich schon auch sehr liebe … naja manchmal male ich schon noch, aber ich bin doch ziemlich aus der Übung, in den 70iger Jahren war das ganz anders, ich hab schon oft gedacht, wenn ich dann nicht mehr soviel arbeiten muss, dass ich dann auch wieder die Muße fürs üben habe … schauen wir mal, wie es sich ergibt …
      nochmals danke und hab ein feines WE, ich bin hier Gerödel, hab morgen für 28 Leute ein Buffet zu richten und bin nun am backen und mengen …

      herzliche Grüße
      Ulli

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  6. Liebe Ulli,
    was für einen tollen Beitra! Ich würde gerne sehr viel mehr in dieser Art von dir lesen und sehen, wirklich, sehr gerne! Ich mag den Künstler Max Ernst und war mehrmals in Brühl. Als Mensch, well da finde ich ihm genau so umstritten wie Picasso, gerade was die Frauen betreffen. Vor 2 Jahren nahm ich an einer Führung teil; „Max Ernst und die Frauen“, kein gutes Zeugnis für den Mann, leider.
    Deine Kunst passt sehr gut dazu, das gefällt mir. Es gibt den Artikel eine andere Note und eine persönlichere Tiefe .
    Ich merke, du hast am Wochenende genug zu tun, ich auch… 😉 deswegen Gute Nacht und bis recht bald in Köln!
    ♥-liche Grüße
    Dina
    Ich freue mcih sehr auf Susa

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    • öhm nö … sehe ich nicht 😉

      liebe Dina, guten Morgen!!! Ach weißt du, die Künstler und ihre Frauen, was wissen wir denn wirklich? Wenn andere über mich und die Männer schreiben würden, oh nein … 🙂 gerade in dieser Beziehung gefiel mir das Buch von Silvana Schmid auch so sehr, sie hat nur benannt, nicht gewertet, das fand ich sehr erfrischend! Es gibt eben nicht nur eine große Liebe im Leben, wie man uns glauben machen will und es gibt Ehefrauen oder Ehemänner und dann gibt es Affären, Beziehungen, Freundschaften und … es gibt unglaublich viele Neidhammel … Puritaner und Katholiken 😉

      danke dir für deinen lieben Kommentar
      jetzt aber Ärmel hoch und weiter … sonnige Grüße
      Ulli

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  7. Pingback: Was sind mir die Vögel? |

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