guter Schatten

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Eine Mutter habe ich mir schon früh gedacht, auch ein Zuhause, ein Land drumrum mit gütig lachenden Menschen. Nur Vater blieb was er war … ein guter Schatten. Kein zorniges Wort konnte verletzen. Ein Bild in der Endlosschleife: ein Geburtstag, ein schweres Holzrollo. Vater rollt es mühelos dem spanischen Sonnenmorgen entgegen. Auf der Bettdecke die Geschenke. Aluminiumtöpfchen mit roten Henkeln und einer roten Kugel auf den Deckeln. Aber ich, sah nur den roten Ball. Sehe ihn noch, wie er am Meereshorizont verschwindet. So, ist auch er verschwunden, nicht lange Zeit danach. Und ist geblieben was er war, ein guter Schatten.

Early I imagined a mother, a home, too, with land around and benignly laughing people. Only father stays as he had  been, a good shadow. No angry word could harm. A picture in the endless loop: a birthday, a heavy wooden rouleau. Effortless father rolls it up, into the Spanish sunny morníng. On the blanket, the gifts. Little pots from aluminum, with red handles and a red bowl on the lids. But I saw only the red ball. Seeing it, even now, how it disappears at the horizon of the ocean. Like this, he disappeared, too, short time later. And stays as he had been, a good shadow.

eine Zeichnung von 1977 – a drawing from 1977 (weiowei … as time goes by … )

der rote Ball – the red ball

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14 Gedanken zu „guter Schatten

  1. Eine berührende Zeichnung! Dein Englisch ist sehr gut, die kleinen Veränderungen hier auf deinem Blog ich spannend.
    Endlich scheint auch hier die Sonne, jetzt geht’s raus in den Wald. Die letzte Möglichkeit etwas davon zu genießen. Ab heute Abend arbeite ich wieder in der schwarzen Dunkelheit der Nacht und werde diese Woche kaum zum Bloggen kommen. Dir weiterhin eine gute Schonzeit! Liebe Grüße aus dem Rheinland, Hanne

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    • guten Morgen, liebe Hanne, vielen Dank für deine Komplimente … die mich freuen!
      ja, hier scheint auch die Sonne und es lockt vor die Tür … gleich-
      hab eine gute Woche und sei gut zu dir, ich denk an dich und schick dir einen Schneeglöckchengruß Ulli

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      • P.S. was die Veränderungen hier anbelangt, so fühle ich einfach nur einen Fluss, der letztes Jahr um diese Zeit mit einer Reise begann. Je länger die Wanderschaft dauert, umso mehr ist möglich …

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    • guten Morgen, liebe Soso, so lange fand ich keine Worte, erst im letzten Jahrzehnt kommen sie ab und an zu mir. Wie lang braucht Trauer? Ich denke auch gerade an das Buch von Per Petterson – im Kielwasser – da hat es sechs Jahre gebraucht, bis sich seine Trauer Raum brach. Letztlich ist Trauer etwas, das einen wohl immer begleitet, ob nun mit oder ohne Worte, mit und ohne Bilder. Ich bin dankbar, dass ich über beides verfüge.
      einen schönen Tag wünsche ich dir und sende dir einen Sonnenstrahl vom Berg ins Tal
      Ulli

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  2. Was für ein bezauberndes Bild! Das erste, meine ich damit. Und spannend die Veränderung zu beobachten zwischen dem „alten“ Bild und diesem jetzt.
    Trauer braucht Zeit, bis sie sich in irgendetwas verwandeln kann, das teilbar ist, wie diese Bilder, dieser Text. Ich glaube, das ist es, was für viele Menschen den Umgang mit Trauernden so schwer macht, diese lange Zeit der Sprachlosigkeit, der Ohnmacht…

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    • da sprichst du etwas an, liebe Mützenfalterin, als ich jung war, habe ich mich für meine Tränen immer geschämt und versteckte sie vor Allen – diese Zeichnung war immer in der Mappe, nie hätte ich sie zum damaligen Zeitpunkt jemanden gezeigt – Trauer passte einfach nicht zum Übermut des Jungseins und als Kind sah man mich nicht, nur Eine … aber das kommt dann in den nächsten Tagen-

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  3. Ein roter Ball…kennst Du das Gedicht: “ Mein blaues Klavier“ von Else Lasker-Schüler? Es ist heut im Lyrikkalender: ich habe zu Hause ein blaues Klavier und kenne doch keine Note…
    Kannste googeln, ich will es nicht ganz abschreiben- man weiß ja nie, wie die Gesetze eigentlich sind. Mit Gruß Sternenhände vier reimt sich auf Klaviatür…

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  4. As long as there is light, there will be shadows.
    The remembrance, sometimes painful, of our beloved beings is the flame that prevents their memories vanishing into the darkness of oblivion.

    We all had our red ball, I comforted myself by the thought that now, somewhere there is a children playing with it.
    Fondly
    m

    Although the autumn moon
    has set, its light
    lingers on my chest.
    Kanshu

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    • nice idea, dear Marcelo, to comfort yourself with such a unselfish thought!
      This red ball became a metapher for the death of my dad, when I was 4 years old and because of the grandmother- projekt this picture came back to me …
      yes, there is comfort in the world and during life, but a part of sadness will ever last … I accept this without being depressed.

      thanks for your view and this beautiful Haiku

      ♥ly Ulli

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