Am Anfang: zwei Bücher von Sabine Bode, am Ende: ein Auszug aus einem eigenen Manuskript,

Die vergessene Generation – Kriegskinder brechen ihr Schweigen
(geboren zwischen 1930 und 1945)

Nachkriegskinder – die 1950er Jahrgänge und ihre Soldatenväter

1.
Sabine Bode, geb. 1947, ist freie Journalistin und Autorin und arbeitet überwiegend in den Kulturredaktionen des Hörfunks von WDR und NRD. Mitte der 1990er Jahre hat sie mit ihren Recherchen zu ihrem Buch: die vergessene Generation begonnen. Erstmals erschien es 2004, und liegt nun in einer überarbeiteten Form vor.
Zunächst stieß Sabine Bode auf mehr Abwehr, denn auf Interesse, sowohl in den Medien, wie auch im Freundeskreis. Die meist gehörten Sätze waren:
– andere haben es schlimmer gehabt,
– es hat uns nicht geschadet,
– das war für uns normal,
– wir haben in dieser Zeit auch viel Schönes erlebt …

Anstatt Klarheit zu gewinnen wurde erst einmal vieles noch unklarer. Sie bewegte sich in einem Nebel von Verdrängen, Verschweigen, Verheimlichen, Vertuschen, von Traumatisierungen, die noch keine Heilung erfahren hatten.

Erschwert wurde ihre Arbeit durch die offizielle Befürchtung vor einer Relativierung der deutschen Schuld.

2002 veröffentlichte Günter Grass seine Novelle „Im Krebsgang“, die eine Welle der Erinnerungen auslöste. Selbst der „Spiegel“ befand damals, dass es an der Zeit wäre noch einmal gründlich über die Folgen des Krieges, der Nazizeit, den Folgen von Flucht und Vertreibung nachzudenken. Die neu entbrannte Diskussion kam Sabine Bodes Recherchen zugute. Das Thema der deutschen Kriegskinder geriet in den Fokus der Öffentlichkeit und löste eine gigantische Erinnerungswelle aus, die bis heute anhält, schreibt sie in ihrem Vorwort, der im Januar 2013 erschienen Neuauflage.
2004 ist ihr Buch das erste Mal erschienen, seitdem hat sich viel verändert, die Öffnung hin zu über Jahrzehnte tabuisierte, verdrängte, überlagerte Erinnerungen der Menschen, die zwischen 1930 und 1945 geboren wurden, aber auch der in den 1950er Jahren Geborenen.

Luise Reddemann, eine Koryphäe in der Erforschung von Traumen und Wegen zu ihrer Heilung unterstützte und ermutigte Sabine Bode in ihrem Vorhaben. Das Nachwort stammt von ihr.

Heute weiß man, dass traumatische Erlebnisse solange schlummern, bis entweder durch ähnliche Erlebnisse (auch anderer), durch Bilder (z.B. Filme) oder durch Berichte aufbrechen können oder wenn die Seele (Psyche) selbst stark genug geworden ist, um sich den Themen zu stellen.
Posttraumatische Belastungsstörungen (kurz PTBS) sind heute von der WHO eine anerkannte Krankheit. Sabine Bode nennt die typischen Merkmale:
„- wiederkehrende belastende Erinnerungen und Träume
– das Gefühl, als würde das traumatische Ereignis in der Jetztzeit erneut aufleben
– oder ein bewusstes Vermeiden von allen Gedanken, Gefühlen, Gesprächsinhalten, die mit den Themen in Verbindung stehen
– ein Vermeiden von entsprechenden Orten, Menschen und Aktivitäten
– Erinnerungsverlust …

Folgende Symptome treten auf:
– Schlafstörungen
– überhöhte Reizbarkeit oder Wutausbrüche
– Konzentrationsschwäche
– übertriebene Wachsamkeit und Schreckhaftigkeit
– Ängste und Panikreaktionen …

Heute schauen gewissenhafte PsychologInnen/TherapeutInnen bei Depressionen, Sucht oder bei einer Borderline Symptomatik, ob eine Traumatisierung darunter liegt.
Weitere Symptome sind:
– misstrauische oder feindselige Haltung gegenüber der Umwelt
– sozialer Rückzug
– Gefühle der Leere und Hoffnungslosigkeit
– Nervosität als ein Gefühl des ständig Bedrohtseins
– sich in seinem Körper nicht zu Hause fühlen …“

All dies fand Frau Bode bei Menschen aus den oben genannten Generationen. Erschwert wurde den Menschen eine Verarbeitung und Aussöhnung mit ihrer Vergangenheit durch die alles bestimmende Nachkriegshaltung: jetzt wird nach vorne geschaut und nicht mehr zurück! Schuld und Scham lasteten zudem auf den Schultern von Millionen, geredet wurde in den meisten Familien nicht, die Psychologie kannte noch keine PTBS.

2.
Will man sich selbst, bzw. die eine und andere „Macke“, sowie die Atmosphäre der eigenen Kindheit begreifen, so gilt es sich auch mit der damalig vorherrschenden Pädagogik auseinanderzusetzen, sowie sich den daraus verinnerlichten Glaubenssätzen und der Ergründung ihrer Ursachen zu stellen. All das haben Sabine Bode und vieler der von ihr zitierten PsychologInnen, TherapeutInnen, SoziologInnen, aber auch die Menschen, die ihr gegenüber ihr Schweigen gebrochen haben, getan. Ihre Bücher sind eine kluge Verwebung von wissenschaftlichen Erkenntnissen, vornehmlich der Psychologie und der Traumaforschung, sowie authentischen Lebensgeschichten, die das Grauen und die Prägung von Millionen deutschen Kindern, auch von mir, begreifbar macht.

Ein ganzes Kapitel beschäftigt sich mit „der Schule der Johanna Haarer“, eigentlich Fachärztin für Lungenkrankheiten, hat sie sich, während des dritten Reiches, zur Erziehungskapazität gemausert, ausgelöst durch eigene Mutterschaft. Haarer eine glühende Verfechterin des Nationalsozialismus wird Autorin und bringt den Ratgeber „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ heraus. Er wird ein Renner …
Sabine Bode schreibt:
„Sich heute mit Haarers Anleitungen zu Säuglingspflege und frühkindlicher Dressur zu beschäftigen heißt, besser zu verstehen, warum Menschen der Kriegskindergeneration (und der Nachkriegskinder 1945-1960 – Anmerkung von mir) häufig so merkwürdig unauffällig waren, warum sie sich selbst nicht wichtig nahmen, warum sie ihre Kindheit auch Jahrzehnte danach noch als etwas >ganz Normales< empfinden konnten.“

Nahtlos knüpft Haarer an die von Alice Miller benannte „schwarze Pädagogik“ und ihren Prämissen an. Reinlichkeit, Zucht und Ordnung heißen die Überschriften. Laut Sabine Bode widmete Haarer 25 Seiten dem Thema Reinlichkeit, eine halbe der körperlichen und geistigen Entwicklung.“ (S. Bode S. 151) Haarer plädierte zudem für Ruhe. Dafür, den Säugling direkt nach der Geburt für 24 Stunden von der Mutter zu trennen, ihm erst dann das erste Mal die Brust zu geben. Gegen die von ihr verbrämte „Affenliebe“, wie sie abfällig die natürliche Mutterkindliebe und -bindung nennt, die sonst automatisch entstehen würde. Der Säugling gehört gewickelt und ernährt, ansonsten hat er Ruhe zu halten (notfalls mit Gewalt zu erreichen) und wurde somit sich selbst überlassen. Erst in den 1970er Jahren begann man in den Krankenhäusern die Säuglinge bei ihren Müttern zu lassen. „Nationalsozialisten wie Haarer und ihr Münchener Verleger Julius F. Lehmann lehnten die liebevolle Beziehung einer jungen Frau und ihrem Säugling ab, weil sie darin die Anfänge einer verweichlichten Jugend witterten. Der Nachwuchs sollte gestählt ins Leben gehen, >hart wie Kruppstahl<, wie es in der Nazipropaganda hieß. Daher wiederholte Haarer die Warnung: >Wehret den Anfängen<.“ (s. Bode S. 153)

Haarer beließ es nicht bei diesem ersten Ratgeber, es folgte „Unsere kleinen Kinder“. Ihre Bücher verschwanden nicht nach 1945 …

Schon 1949 erschien eine Neuauflage, der Titel war geändert: „Die Mutter und ihr erstes Kind“, der Inhalt von nationalsozialistischem Gedankengut gereinigt, aber bei den, von ihr, propagierten Erziehungsrichtlinien war alles wie gehabt. 1987 (!!!) erschien die letzte Ausgabe …
Diese Ratgeber hielten Einzug in der Reichsmütterschulung der NS-Frauenschaften, sowie in die Einrichtungen des BDM im Fach Säuglingspflege und in viele deutsche Nachkriegsstuben. Millionen von Frauen haben diese Ratgeber gelesen und umgesetzt.

Auch die Soziologin Sigrid Chamberlain hat sich mit dem Erziehungsstil einer Johanna Haarer auseinandergesetzt. Sie kommt zu dem Schluss, dass Haarer absichtsvoll zu Beginn des menschlichen Lebens Bindungs-, Beziehungs- und Liebesfähigkeit zerstören wollte.

Der Staat brauchte stumme, Befehle ausführende Diener …

Weinen und Klagen gehörte im Keim erstickt. Wer von uns kennt nicht diese Sätze:

– Wer weint, kriegt gleich noch Eine-
– Keine Widerrede!
– Wer nicht hören will, muss fühlen-
– Kinder, die was wollen, kriegen was auf die Bollen-
– Wer ohne Grund weint, kriegt gleich ne Ohrfeige, dann weiß er wenigstens warum er weint-
– Du sprichst erst, wenn du gefragt wirst … und … und … und …

Sigrid Chamberlain schreibt, das man während der Nazizeit nicht nur sagte: Jungen weinen nicht, sie kennen keinen Schmerz, sondern dass dies ebenfalls den Mädchen entgegenschallte, wenn die Tränen liefen. Hierzu meint sie:
„In den Mädchen wurde nämlich früh und absichtsvoll etwas zerstört, das gemeinhin als Privileg gilt, nämlich das Lebendürfen von Gefühlen. Es wachsen dann Frauen heran, die, wenn sie einmal Mutter werden, ihre Kinder wiederum in einem kaum vorstellbaren Ausmaß innerlich allein lassen, auch wenn sie es bewusst nicht wollen.“

„Ungezogene Kinder wanderten vom Horror der Luftschutzkeller in den Horror der dunklen Abstellkammer …“ (Bode S. 165)

Sabine Bode verweist mehrmals in ihren Büchern auf den 2009 erschienen Film  „Das weiße Band“ von Michael Haneke (s. https://cafeweltenall.wordpress.com/2012/08/27/das-weise-band-ein-film-von-michael-haneke/ ), in dem zu all dem Schrecken der schwarzen und der Nazipädagogik die Bedrohung durch den „lieben Gott“, bzw. dem Fegefeuer und der Hölle, hinzukamen.

Man hatte den Erwachsenen zu gehorchen, ohne Wenn und Aber …

3.
Menschen, die als Kinder und Heranwachsende traumatisierende Erlebnisse zu verdauen haben, brauchen aber Erwachsene, die ihnen zugewandt sind, denen sie vertrauen können, die sie lieben, die ihnen zuhören, sie ernst nehmen. Sabine Bode macht in ihren beiden Büchern deutlich warum es im Deutschland der Nachkriegsjahre kaum solche Erwachsene gab, wie sich Traumen und die Pädagogik des dritten Reichs fortsetzten, wieso wir Jahre, Jahrzehnte nach dieser Zeit immer noch TrägerInnen des Grauens sind, oftmals ohne einen Namen dafür zu haben.
Mit ihren genauen Recherchen unter Heranziehung von TraumaspezialistInnen, PsychologInnen, SoziologInnen, sowie den ihr anvertrauten und in ihren Bücher niedergeschriebenen Lebensgeschichten schenkt sie schmerzhafte Erkenntnis, trägt sie Licht in die jahrzehntelange Dunkelheit.

Ich bin Kind dieser Zeit, Nachkriegskind … bei aller Befreiung von Prägung, Erziehung, verstaubten Glaubenssätzen und anderem mehr, gilt es nun eine weiterte Runde in den Abgründen von Erziehung und … zu drehen, gilt es mich auszusöhnen, loszulassen, meinen Frieden zu nähren, mir selbst verständnisvolle, zuhörende, Vertrauen schenkende Mutter und Vater zu sein.

4. aus meinem Manuskript

Vor und zurück

„Anna lässt das Buch sinken. Die Schwere ist zurück. Ihre Erinnerungen legen sich über die Geschichte der kleinen Kaiserin. Vielleicht ist es der Ofen, der bollert, vielleicht diese Art von Wohnzimmer, vielleicht diese Leichtigkeit von Lucie und ihren Kinderjahren, die ihre Erinnerungen nach oben schwemmen. Sie seufzt. Vorbei ist der gemütliche Spätnachmittag. Schwerfällig erhebt sie sich von der Couch, geht zur ihrem Schreibtisch, fährt den Computer hoch und tippt:

Mitten in Deutschland in den Aufwärtsjahren geboren, habe ich gehungert und gefroren. Habe blind im Dunkeln herum getastet. Habe gelauscht … den Tönen unter der Oberfläche. Es fehlte nicht an Nahrung, nicht an Kleidern. Nicht an einem Dach über dem Kopf, nein. Es fehlte die liebende Wärme, das Eingehülltsein, die Geborgenheit. Nicht immer, nicht von Anfang an, manchmal hatte es das gegeben! Bis Großmutter starb- viel zu früh!
Und … es fehlte die Freude, nicht immer, aber oft.
Die Freude ist eine Liebeserklärung ans Leben. Von wem sind diese Worte? Sie weiß es nicht. Es zählt der Sinn. Freude. Liebe. Wann? Wo? Damals …
Wenn ich als Kleine zu den Großen aufschaute, erschien es mir als wäre Leben etwas Lästiges, Schweres, Unerreichbares. Schwer atmend trugen sie ihre Lasten auf den vor Demut und Kummer gebuckelten Rücken. Ich spürte, roch und schmeckte es: da war doch etwas schief gelaufen! Aber ja! Es war etwas schief gelaufen …

Das Monster zweiter Weltkrieg, die Hitlerjahre, der Holocaust hatte die ganze Welt erschüttert und verändert. Väter und Mütter waren um ihr Leben gerannt. Und dann rannten sie immer noch als gäbe etwas zu verlieren! Die Traumen hatten Raum in ihnen genommen. Und wir, ihre Kinder? Wir haben dieses Rennen mit der nicht vorhandenen Muttermilch aufgesogen. Wie ein Gen sitzt uns die Flucht in den Zellen.
Ja verdammt! Ich habe ein Fluchtgen … deswegen halte ich es nie lange aus! Nicht in einer Wohnung, nicht in einer Landschaft, nicht mit einem Mann an meiner Seite. Immer will ich weiter und weiter, will ich weg. Ich bin es doch, die rennt, als hätte ich wirklich etwas zu verlieren!

Gänsehäute laufen den Rücken hoch und runter. Wütend, hilflos haut Anna mit der Faust auf den Tisch. Nein, heute gibt es kein Entkommen! Heute wird das hier weitergesponnen. Heute hat sie eine Spur gelegt. Zu sich hin. Sie ist sich auf den Fersen. Sie hält es kaum aus. Unruhig geht Anna auf und ab, hin und her.

Wie soll ich mich erinnern? Wie verstehen? Wenn die Alten sich nicht erinnern wollen! Wenn sie schweigen. Oder, wie Mutter, jedes Mal die Geschichten ein kleines bisschen anders erzählte? An was erinnere ich mich?  Fragmente. Nichts als Fragmente, die nicht zusammen passen wollen. Immer nur kurzfristig, dann bricht wieder alles auseinander.

Ja, es gibt die Zeiten in ihrem Leben, in denen ihre Wirbelsäule aufrecht ist, ihr Gang sicher und beschwingt, ihre Augen leuchten, sie in sich wohnt und sich verwurzelt fühlt. Und doch so fragil- immer noch! Wie kann sie Heimat fühlen?
„Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl“, singen La Resistance. Manchmal, ja … da kann sie Heimat fühlen.

Wie lautet das Gedicht vom letzten Jahr? Anna blättert und sucht in dem Stapel der von ihr vollgeschriebenen Bücher. In welchem Zeitraum war das? Die Hefte haben im Deckel das Anfangs- und das Enddatum, damit sie sich besser orientieren kann. Bei ihrem vor und zurück und vor. Es war in der Winterzeit im letzten Jahr, als sie begann, sich in sich selbst zu verwurzeln, Heimat in sich selbst zu erahnen. Ach ja! Es war das blaue Buch- schon wieder ein blaues! Anna blättert, fliegt über ihre Worte und dann findet sie es:

MUTTERBODEN AN VATER STATT

Wo ist Heimat,
wann und warum
wer
schlug Wurzeln in Böden
zur Heimat?
Zugvögel,
von Osten nach Westen,
von Norden nach Süden,
ich kann Mutterboden riechen
an Vatersstatt.
Fruchtbar, dunkel, feucht,
sattes Leben duftet,
Vertrauen wächst.
Furcht bleibt in der Nacht-
Die Väter
wurden nicht wirklich gebraucht.
Entwöhnung.
Zwei Weltkriege-
es traf ihn der Vater,
der Erste
es traf ihn der Sohn,
der Zweite
sie haben es überlebt.
Ein Vater,
der von Mutter,
ging verloren
zwischen den Welten
inmitten des Krieges,
dem Zweiten,
kein Atem mehr.
Die Bilder, die Taten
unerzählt, ungeteilt
vermodert in den entleerten Gräbern.
Sirenengeheul
fliehende, leise Schritte
Verfolger in schweren Stiefeln,
untergetaucht in den Schatten,
kein Atem.
Stiefelhall.

Die Nacht verlässt die Schatten.
Aufgewacht
in Pommernland-
Pommernland war abgebrannt,
Maikäfer in Streichholzdose
überlebte.
Neuanfang.
Ein Schwein dem Schutt entzogen,
fünf Ringeltäubchen auf dem Dach,
Kinderlachen des Tags,
die Schatten lauern in der Nacht.
Konservendosen am Gürtel
der Großmutter.
Kartoffelwaggons,
Milchbauern auf dem Weg,
entzündete Brüste,
hungerndes Kind
durchgebracht,
zum Garten
mit dem Pfirsichbaum,
zum Garten …
am Ende der Bach.
Schiffe ziehen Frieden,
vom Rhein nach Herne
von der Quelle zur Mündung.

82abc 13.03.

(März 2009)

Das ist alles. Mehr gibt es nicht zu finden. Anna klappt das Buch wieder zu. Sie hat es versucht! Alle gestorben. Nur einer, der Bruder der Mutter, lebt noch. Der sagte am Telefon:
Ach Anna, lass mal … Sie hat es akzeptiert. Das Trauma darf ruhen! Sie hat kein Recht noch einmal alles aufzuwühlen. Der Onkel, ein kranker alter Mann darf nun Frieden atmen. Nur sie, sie findet ihn nicht … den Frieden. Noch nicht! Sie findet keinen Ort, keinen Menschen, nichts was ihr auf Dauer Heimat sein kann. Bis jetzt. Sie sich, ein bisschen. Alles ist vorübergehend, alles flüchtig. Leben ist Wandel. Wieso wächst jetzt ein Kloß im Hals? Anna tastet den Hals entlang, streichelt den Kloß. Streichelt ihn fort. Wiegt sich vor und zurück, vor und zurück. In ihr summt das alte Kinderlied: Maikäfer flieg!

Kein Maikäfer mehr da! Und Pommernland? War abgebrannt! Heute ist sie hier, mitten in Pommernland und fühlt sich seltsam heimisch. Renne ich immer noch, als hätte ich etwas zu verlieren?

Ihr kleines Schicksal mit dem großen verwoben. Das Gestern im Jetzt hat etwas mit ihr gemacht. Mit ihm auch. Was wabert noch in ihren Zellen, was trägt sie noch, ohne es wirklich zu kennen? Sieben Generationen heißt es, bis die Traumen nicht mehr in den Seelenzellen zu finden sind. Es sei denn, man findet andere Wege.
Ich finde andere Wege! Jetzt. Eine Auszeit, ein und aus und Pause, ein und aus und Pause … ankommen.“

© Ulli Gau

manni Oma Stanislava 001aNAMENLOS

Du

Großmutter,
Mutter des Vaters
des Vaters,
Du
hast nur ein ungefähres Gesicht.
Zerbrechlich
zärtlich
streichelst du den Hasen
und hast keinen Mutternamen.
Keiner erinnert sich.
Euer Grabstein
schon längst
im Wind verweht.
Er
hat den Namen
mitgenommen.
Es bleibt die Erinnerung,
sagen wir
ein Titel,
zärtlich liebevoll,
ein gefühltes Erinnern,
ein erinnertes Gefühl
in
liebendem Kinderandenken.

                                                                                                                                                                   März 2009

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26 Gedanken zu „Am Anfang: zwei Bücher von Sabine Bode, am Ende: ein Auszug aus einem eigenen Manuskript,

  1. Das ist bedrückend. Und vermutlich schwer auszuhalten, sich das alles in aller Eindringlichkeit und Folgenschwere vor Augen zu führen. Andererseits lässt es mich dankbar zurück, dass ich meine Kinder nicht so erziehen musste, weil ich in eine andere Zeit geboren worden bin. Danke für diese Aufarbeitung.

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    • ja, es ist bedrückend, liebe Mützenfalterin, besonders an den Stellen, an denen die Stimme meiner Mutter in mir laut wird. Ich habe solch ein Glück gehabt, dass es ihre Schwester und meine Großmutter gab, bei denen ich, solange ich noch nicht in der Schule war, die meiste Zeit verbrachte, und … dass ich eine „Rebellin“ war- damit war ich nicht allein, der Geist der 68iger schwappte sofort in mich hinein, auch wenn ich damals erst 12 Jahre alt war und dann ging ich ziemlich bald meine eigenen Wege, allerdings wäre ich heute nicht die, die ich bin, ohne all die hiflreichenden Hände in meinem Leben und auch nicht ohne die therapeutischen Runden, die ich drehte.
      Meine Kinder sind von dererlei verschont geblieben … dem Himmel sei Dank!

      herzliche Grüße Ulli

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      • Mir ist durch dein Projekt auch klar geworden, wie schnell die Verbindung reisst, wie schnell alles verloren geht, wie wenig über diese Generation wirklich weitergegeben worden ist, weitergegeben wird. Meine Mutter, erinnere ich mich, hat niemals von ihren Großeltern gesprochen und meine Schwiegermutter, die ich kürzlich fragte, konnte sich nicht einmal an die Namen ihrer Großeltern erinnern.

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      • hier wirkt wahrscheinlich auch die Verdrängung? Nicht alle Großeltern waren liebe Großeltern, nicht alle waren unschuldig in Bezug auf das dritte Reich … vielleicht liegt hier auch ein Grund fürs Vergessenwerden?!

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  2. erstmal nur sprachlos.
    von dieser pädagogik habe ich so konkret noch nie gehört … schrecklich. vermutlich war es aber auch der zeitgeist, der eben die verbreitung solcher theorien möglich machte? wie weit das wohl wirklich verbreitet war – ich meine: als mutter hast du dann ja zwei herzen in deiner brust. die intuition gegen die vorgabe und ich bin sicher, dass das verdammt schwer war für die mütter. und alle waren ja zum glück auch nicht einfach „gläubige“.
    mir aber wird nun auch vieles klar – unterschiede zwischen ch und dltd im umgang mit aufträgen, gesetzen, vorgesetzten etc..
    danke für diesen spannenden artikel!
    herzlich, soso

    (ähm, heisst der plural von trauma nicht eigentlich traumata statt traumen?)

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    • liebe Soso,
      die schwarze Pädagogik war nicht nur in Deutschland eine Richtlinie, sie wirkte ab Mitte des 19.Jahrhunderts, wenn ich es richtig erinnere. Natürlich wurde sie so nicht genannt. Bei Wiki erfährst du mehr, wenn es dich interessiert. Ich habe es immer so begriffen, dass das, was die Kirche in Jahrhunderten verbreitete, sich in dieser Art der Pädagogik spiegelte, bzw. hier ihre Spitze bekam- letztlich ist das Ganze älter, als 150 Jahre … mittlerweile denke ich, dass dies mit ein Grund ist warum wir heute, hier und jetzt vor einer zunehmenden Gewaltspirale stehen- mir geht noch einiges mehr dazu im Kopf herum, aber da muss ich mich erstens noch sortieren und zweitens auch recherchieren …

      Was du aber in D, vielleicht noch bis heute, findest, sind Erzieherinnen und Erzieher, die den Titel nicht verdienen, Dompteure wäre wohl der richtige Ausdruck hierfür. In meiner Schulzeit gab es auch noch solche LehrerInnen, wenn auch versteckter, subtiler, aber nicht weniger perfide! Letztlich ist dies ein großes Thema, zu dem schon viele gearbeitet haben. Ich bin mir nicht so sicher, ob ich mich Zurzeit wirklich noch tiefer damit beschäftigen will, eigentlich geht es mir ja um die Großmütter und die Zeit in der sie lebten- nur … es ist nicht wirklich von all dem zu trennen-

      Ich dachte auch es hieß Traumata, aber ich fand nur Traumen … habe geschaut 😉

      liebe Grüße
      Ulli

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    • liebe Susanne, ja es ist harter Tobak und ich habe wahrlich viel geschrieben, andererseits ist es nur ein Abklatsch dessen was diese zwei Bücher beim lesen wirklich offenbaren… ich habe fast zwei Wochen gebraucht, bis ich gestern den Artikel schrieb und noch immer spüre ich nach was es mit mir zu tun hat-

      heute kamen die drei Bände von Margarete Dörr hier an … Frauenschicksale vor, während und nach dem dritten Reich- auch sie stellt authentische Berichte zusammen, die sie dann auswertet. Ich staune selbst über mich, dass ich so tief eintauche, aber seien wir mal ehrlich, es kann ja nicht nur am Ende des Projekts heißen: schaut her, dass sind unsere guten Omas …

      es freut mich, dass dir das Gedicht gefällt

      liebe Grüße Ulli

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  3. Tiefgreifende Themen, angefangen bei der PTBS bis hin zu Erziehung im Gestern und Heute, dazu gäbe es viel zu schreiben, aber ich mag nicht, da rührt sich zu viel.

    Ein interessanter Artikel, der mich sicher noch mehr beschäftgen wird.

    Was das Trauma betrifft, ist das Plural tatsächlich Traumen (lt. Duden) , als Trauma oder eben auch als Traumata (griech.) wird meines Wissen das einzelne Erlebnis benannt.

    Liebe Grüße, Szintilla

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    • liebe Szintilla, ich sah letztens auf deinem Blog, dass wir gerade mal einen Monat auseinander liegen, du bist also einen Monat älter … soll heißen, dass das was ich hier anspreche, bzw. durch die Lektüre der beiden Bücher von Frau Bode, gerade noch einmal eine neue Sicht auf meine Kinderzeit wirft, dich wahrscheinlich ähnlich betrifft … ich bin bereit mich dem Ganzen noch einmal zu stellen, auch wenn ich dachte, dass doch das meiste erledigt wäre …

      liebe Grüße Ulli

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  4. Stimmt, es betrifft mich ähnlich und doch ganz anders.
    Wie das eben so ist mit den Lebensgeschichten. Es pfropft sich so Eins aufs Andere und oft bleibt gar keine Zeit um Erlebnisse aufzuarbeiten, so wie man es eigentlich tun müsste. Jetzt, ganz aktuell wäre das für mich ein Unding, mein Aufarbeiten muss noch eine Weile warten. Aber es wird kommen, so sicher wie der Tag der Nacht folgt … 🙂
    Momentan schreibe ich nur um Dinge greifbar zu machen, denn es bleibt noch viel zu erledigen.

    Liebe Grüße zu dir, Szintilla

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    • ja, mal schauen, wohin mich das Ganze noch trägt …
      wenn ich richtig hinschaue, dann gibt es auch von mir nur fragmentarische Aufarbeitungen, spannend war einmal ein ganzer Tag an dem ich durch einen Wald spazierte und ihm laut meine Lebensgeschichte erzählte … das war während meiner Visionssuche in Lappland … da bin ich mir in Vielem näher gekommen-

      hab einen feinen Abend
      herzliche grüßt dich Ulli

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  5. Kaum wage ich, daran zu rühren…………
    Wie gut, dass Du Alice Miller ins Spiel gebracht hast.
    Wenn ich in dieser hier gezeigten Intensität an meine Vergangenheit ginge, bliebe ich schlaflos.
    Die vielen Jahre der Therapie besänftigen etwas, haben die dicksten Wunden vernarben lassen- und trotzdem habe ich mich entschieden, bei dem Großmutterprojekt nicht mitzumachen.
    Ich stelle mich respektvoll ein wenig an die Seite, lese hier mit!
    Gruß von Sonja

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    • liebe Sonja,
      einerseits stoße ich gerade auch sehr an meine Grenzen durch die zu verdauende Literatur, die sich immer wieder mit meinem ganz Persönlichem mischt, andererseits schätze ich sehr die Befreiung von inneren Dämonen, es lebt sich nachher leichter- das haben die vielen Therapierunden immer wieder bewiesen-
      mir wird aber auch immer klarer, dass ich Glück mit meiner Großmutter hatte- nun versuche ich zu ergründen wie sie es eigentlich geschafft hat in dieser düsteren Zeit sich ihre Liebe zu bewahren- ich denke, dass ihr unerschütterlicher Gottesglaube darin eine große Rolle spielte …
      wie auch immer noch, ob sich das Großmutterprojekt so verwirklichen lässt, wie ich es noch vor drei Wochen dachte, wage ich zu bezweifeln, da will noch mehr dazu, nur wie …?

      ich danke dir für deinen respekt und dein Mitgehen, das tut einfach gut
      herzlichst
      Ulli

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  6. Hallo Ulli, ich habe mit meiner Mutter viel über ihre Kindheit und Jugend in der dunkelen Zeit Deutschlands gesprochen, sie hat mir viel erzählt und war auch ehrlich, was das Wissen der Bevölkerung angeht. Sie, wie auch mein Vater sind in einer brutalen Welt aufgewachsen. Zumindest bei mir, haben sie es geschafft, dieses nicht weiterzugeben. Ich war allerdings auch das dritte Kind, meine Eltern damals schon mittleren Alters. Wie meine Brüder in den 1950er Jahren aufgewachsen sind, wage ich nicht zu beurteilen, weil ich darüber zuwenig weiß.

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    • liebe Mendi,
      da zeigt sich auch der Generationsunterschied … du kannst dich glücklich schätzen, dass deine Mutter erzählte!
      liebe Grüße Ulli
      außerdem muss man sich klarmachen, dass es trotzallem auch viele Menschen mit einem großen Herzen gab … um die deutsche Geschichte wirklich zu begreifen brauch mant mehr als nur Listen von Feldzügen und Gefallenen- wobei das letztlich für jede historische Untersuchung in egal welchem Land gilt-

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    • Liebe Ulli …

      Ich habe bis heute keine Worte gefunden für deinen Beitrag. Deshalb musst du dich nun mit meinen stümperhaften Ideen, die jetzt einfach so fließen werden, zufrieden geben. Es tut mir Leid.

      Als ich das Gedicht für deine Oma gelesen habe, und dabei nach jeder Zeile auf ihr Bild gesprungen bin, habe ich einen dicken Kloß im Hals gespürt. Ich hätte echt losweinen können. Ihre Haltung ist es, die mich zum schweigen bringt, wie sie nach unten schaut, ihre Hände ziellos aufeinander, froh, dass sie den kleinen Hasen haben. Ihre Haltung ist die eines verschämten Mädchens, aber der Ausdruck in ihrem Gesicht sagt mir, dass sie schon viel Härte erlebt hat.

      Es fasziniert mich sehr, wie ihr über eure Großmütter schreibt. Ich habe auch so viele Geschichten. Am Mittwoch noch war ich zehn Stunden mit meiner zusammen. Manchmal belächelt sie unsere Probleme, manchmal aber verweist sie in ihrer Weisheit darauf, dass wir es auch sehr schwer haben, unsere Welt sei viel hektischer.

      Was ich zum anderen Teil deines Beitrages sagen möchte, dem traumatisierten Deutschland … Ich spüre das nicht mehr so stark, aber andere, die aus dem Ausland kommen, schon. Mein Schwiegervater hat letztens noch erzählt, dass er, als er hierhin kam, in den Deutschen immer diese subtile Unsicherheit und Angst gespürt habe. Nicht nur ihm gegenüber, sondern auch gegenüber der Tatsache, ob sie ihm gegenüber überhaupt Vorsicht walten lassen dürften mit ihrer Vergangenheit. Mein Schwiegervater hatte in Teheran eine große Autowerkstatt. Er ist mit einem begnadeten technischen Talent auf die Welt gekommen, konnte schon immer nicht nur Dinge reparieren, sondern alles basteln, was auch immer er sich vorstellen konnte.

      Als er nach Deutschland kam, hatte er aber keine Papiere, keine Zeugnisse, keinen Meisterbrief und konnte nur zeigen, was er kann. Ständig hat man ihn gefragt, wo er seine Ausbildung gemacht habe. Er hat 100 Mal erklärt, dass er keine habe, sondern alles gelernt hat. Er beobachtete die Unterschiede bei der Arbeit. Er probierte aus und dachte nach, wenn er Dinge reparierte, die anderen liefen ständig mit einem dicken Lehrbuch der Automechanik rum. Bevor sie irgendetwas schraubten, mussten sie in dieses Buch schauen. Und wenn ein technisches Problem nicht in dem Buch zu finden war, standen sie vor Rätseln.

      Mein Schwiegervater hat mit seinem gebrochenem Deutsch oft um Erlaubnis gefragt, es einfach zu versuchen. Anfangs hatten seine Kollegen und der Chef Angst, aber sie schauten sich von ihm ab, was es bedeutet, intuitiv und forschend etwas zu reparieren.

      Er erzählte, dass sie allesamt gute Mechaniker waren, dass sie ein Gefühl hatten für die Einzelteile und die Zusammenhänge, aber dass alles, was nicht direkt benennbar war und nicht ordnungsgemäß erlaubt war durch das Buch, ängstlich abgewiesen worden ist. Er hat diese Erfahrung immer wieder gemacht im Laufe seines Lebens. Eine Erfahrung, die ich als Kind, das hier aufgewachsen ist, nie hätte so wahrnehmen können wie er.

      So war es auch mit meinem Papa. Er war im Iran Profischlagzeuger und Sänger. Als er hier in Deutschland einen Job als Musiker suchte, fragte man ihn stets nach seiner Ausbildung und ob er Noten lesen könne. Mein Vater lachte nur und sagte: „Wo hätte ich das denn damals lernen können? Ich kann trotzdem alles. Sagt mir, was ich spielen soll, ich tu’s.“ Obwohl sie von seinem Können überzeugt waren, taten sie sich schwer, ihn zu engagieren. Letztendlich klappte es dennoch.

      Das sind so winzige Beispiele aus dem Alltag, Ulli, und man könnte meinen, was hat das denn alles mit deinem Beitrag zu tun, nicht wahr? Ich sehe da aber einen Zusammenhang. So, wie viele einfach in jeder Entscheidung die Angst in diesem Land spürten, die Angst vor „Irregularem“, die Angst vor „Emotion“, die Angst vor dem Unberechenbaren, konnte man schon von einer Besonderheit sprechen.

      Natürlich waren meine Eltern und meine Familie und überhaupt Immigranten auch ängstlich, aber ihre Angst war anders. Sie entstand in einem Kampf, im Widerstand, nicht passiv, nicht subtil. Anders gesagt: Immigranten wussten, warum sie Angst hatten. Doch solch eine Erziehung bringt einen zu dieser Haltung, ohne dass man definieren könnte, warum man so ist. Und das macht diese Symptome so hartnäckig, so allumfassend in jeder Alltagssituation einsetzbar.

      Über PTBS habe ich übrigens meine Bachelorarbeit geschrieben …

      Danke nochmal von Herzen für deinen wertvollen Beitrag.

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      • liebe Sherry,

        tausend Dank für deine ausführliche Antwort- das Verbindende bei den Menschen aus deiner Heimat und aus meiner ist die Angst (in diesem Fall), die einen als EinwanderInnen ins Ungewisse, die anderen aus der Geschichte heraus- das was sich im dritten Reich zeigte wäre nicht möglich gewesen ohne die Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte davor- es ist ein sehr, sehr großes Thema- seit vorgestern lese ich die den ersten Band von drei Margarete Dörr: Frauenschicksale, vor, während und nach dem dritten Reich … ich beginne die „Dressur“ langsam aber sicher richtig zu verstehen … wie schon geschrieben, das weiße Band (der Film von Michael Haneke) ist ein geniales Beispiel für all die Perfidität, die, nicht nur in Deutschland, im Namen Gottes und der heiligen Dreifaltigkeit verübt wurde … die Vermischung von Religion (einstmals Spiritualität) und Politk fand in Europa sehr früh statt und war letztlich nur ungesund. Dahinter stehen Machtgelüste, Gier etc., das Volk wurde in der Angst gehalten und im Hunger, in der Unsicherheit … letztlich hat sich daran wenig geändert auch wenn es scheinbar anders aussieht …

        ja, ich könnte jetzt noch viel mehr schreiben, aber das führt grad dann wohl zu weit?!

        deine Bachelorarbeit würde mich SEHR interessieren, besteht eine Möglichkeit sie zu lesen?

        für heute danke ich dir noch einmal für diesen feinen Austausch und grüße dich herzlichst
        Ulli hab ein schönes Wochenende

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  7. Ich hatte eine Mutter, die unglaublich authoritätshörig und unterwürfig war und mir dies auch vermittelt hat. Rettung durch meine Tanten und in späteren Lebensjahren durch eine besonders lebenstüchtige Oma väterlicherseits.
    Es treten hin und wieder Männer in mein Leben, die in der direkten Nachkriegszeit geboren sind, sehr regeltreu leben, rigide sind und keine Abweichungen von der Norm erlauben. Sie möchten mit mir Zeit verbringen und reiben sich daran, daß ich unsinnige Regeln durchbreche bzw nicht beachte. Es ist ein mühseliges Geschäft und ich möchte keine Erziehungsarbeit leisten. Aber an der Stelle bin ich mit dem Nachkriegstrauma verbunden.

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    • liebe Uta, wir tragen wohl alle noch etwas in uns aus dieser Zeit und wenn es nur aus der Erziehung heraus ist. Manchmal tuts noch weh-
      hab ein feines Wochenende herzliche Grüße Ulli

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  8. Pingback: das Großmutterprojekt |

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