eine Liebeserklärung an New Orleans und seine MusikerInnen

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SWR2 Tandem Schwarz ist das Herz

Sendung vom Freitag, 26.10. | 19.20 Uhr | SWR2

New Orleans swingt wieder
Von Jonathan Fischer

Zitate aus dem Manuskript:

Sieben Jahre nach Katrina boomt die Musikszene von New Orleans, beherrschen junge Brassbands, Jazzmusiker, Bounce-Rapper, Mardi Gras-Percussionisten und Funkcombos die Straßen und Clubs der Stadt. Der Musiker und Poet Chuck Perkins führt Jonathan Fischer durch New Orleans und berichtet dabei auch von den Schattenseiten seiner Stadt. Mehr Jugendliche als irgendwo sonst in Amerika werden hier Opfer von Straßengewalt, Zukunftsträume zerfallen immer noch in schwarz und weiß, Crackdeals und Drogenmorde gehören zur Tagesordnung.

Ich glaube, dass du in New Orleans mehr Musiker pro Kopf findest als in jeder anderen Stadt der Welt. Und das hat seinen Grund: Die Brassbands. Und die Highschool Marching Bands. Weißt du warum? Hier sind acht-, neun- , zehnjährige Kinder, denen das Leben nicht viel zu bieten hat. Aber sie bekommen Sachen von Miles Davis und John Coltrane vorgespielt, sie hören die besten Saxophonisten und Trompeter spielen. Das macht etwas mit ihnen. Frag mal irgendwo anders als in New Orleans: „Willst Du Trompete spielen?“ – Die Kids würden sagen: „Nein!“- Lieber rappen wir. Aber in New Orleans ist das anders, da laufen jeden Sonntag Nachmittag Brassbands und Second Lines an deiner Haustür vorbei, und alle sind auf den Beinen, von deiner Großmutter bis zu deinem achtjährigen Cousin…

Die Mieten sind signifikant höher als vor Katrina. Es ist folglich viel schwieriger geworden, Kunst oder Musik zu machen und damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. In Vierteln wie Treme hat das verheerende Auswirkungen: Nach der Sklaverei war Treme die erste freie afro-amerikanische Nachbarschaft überhaupt und legendär für seine Musiker. Jetzt erfasst die Gentrifizirung das Viertel. Es verkommt langsam zum Anhängsel des French Quarters: Die Mieten steigen, die Bewohner werden vertrieben. Ich habe so etwas schon in Washington und New York gesehen, und es macht mich fertig, dass dasselbe nun auch hier passiert.

(ein Phänomen, das auch ich in Berlin und Amsterdam beobachten konnte… )

Eigentlich gelten wir als Straßenkämpfer, aber man nennt uns Mardi-Gras-Indians. Wir heißen so, weil man uns früher nur während Mardi Gras zu Gesicht bekam. Damals war es Schwarzen nicht erlaubt, am Mardi Gras teilzunehmen. Also ernannten sich schwarze Männer selbst zu Indianern. Auf diese Weise zollten sie den eingeborenen Amerikanern Tribut. Die Indianer hatten einst entlaufene Sklaven bei ich aufgenommen, und ihnen die Kunst des Perlenstickens beigebracht.

Ich könnte auf der Stelle 80 Bekannte nennen, die ermordet wurden. 95 Prozent von ihnen sind schwarz, männlich, unter 30 Jahre alt. Ich bin ein Ex-Marine und komme mir manchmal wie im Krieg vor. Das ist traurig. Und trotzdem will ich hier eines klarstellen: Das ist nicht das ganze New Orleans, ich liebe diesen Ort, es gibt keinen anderen Ort, an dem ich lieber wäre…

Die ganze Sendung kann unter www.swr2.de nachgehört und –gelesen werden…

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New Orleans ist für mich auch Kindheit, ist der Mississippi, Tom Sawyer und Huckleberry Finn…

aber nun let`swing

http://www.youtube.com/watch?v=oXSf4GwNfhY&feature=colike

7 Gedanken zu „eine Liebeserklärung an New Orleans und seine MusikerInnen

  1. Klasse Musik, das lilablaue Haus gefällt mir.
    Dir einen schönen Samstag, bei uns strahlt die Sonne, null Schnee und Plusgrade.
    Werde wohl einen kleinen Spaziergang machen.

    LG Mathilda 🙂

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    • ein feiner und gar nicht sooo frecher Bericht, lieber Martin… und wo ich schon einmal auf der Seite war, habe ich die ganze Reise gelesen und mir die Bilder angeschaut- auch hier wieder eine gelungene Zusammenstellung!
      Auf der Seite über New Orleans habe ich mich wieder einmal gefragt, ob wir, mittlerweile im 21. Jahrhundert angekommen, nur noch Fassaden zu sehen bekommen. New Orleans hat einst gelebt, gejazzt, gebluest, geswingt und gefunkt auch… klar, gestern im Radio sagten sie ja, dass es genau das, sieben Jahre nach Katrina, wieder tut, aber wie „echt“ ist es wirklich? DAS kannst du besser beurteilen! Ich glaub ich hätte mich auf die Suche nach kleinen Clubs gemacht, wo das heute spielt. Diese findet man, wie ich seit gestern weiß, neben dem French Quarter…

      Mit dem Mississippiraddampfer wäre ich bestimmt auch gefahren 🙂

      danke fürs teilen und ein schönes WE
      liebe Grüße
      Frau Blau

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  2. ch war vor über 20 Jahren in New Orleans. Am meisten beeindruckt haben mich die Sümpfe des Mississippi, Cajun Musik, Essen und Leute, das Erleben der Ausläufer des Hurricans Gilbert, heftigster Regen bei warmen Temperaturen. Die Bourbonstreet erinnerte mich damals vom Touristennepp her an die Reeperbahn. Und … New Orleans Jazz höre ich sehr gerne.

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    • ich denke ja, dass es überall so ist, entweder gerät man auf die Tourimeile und dann ist da der Nepp oder man geht mal ein paar Gassen weiter 😉
      ich mag schon von jungen Jahren an auch den New Orleans Blues… Jazz kam später, beides ist geblieben!
      hab einen feinen Sonntag

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  3. Pingback: New Orleans, eine untergegangene und wiederauferstandene Stadt |

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