Fortsetzung blaue Stunde 7. Teil – aus der Stille heraus

Aus der Stille heraus, ist meist nur aus einer relativen Stille heraus. Das in der Großstadt ausgebildete Ohr neigt dazu die Fluglinie Marseille – Paris, oder Zürich –  in die Welt, zu überhören. Erst einmal…

Nicht aber die Rufe der Bussarde, Schlangenadler und Raben, nicht das Gekecker der Krähen und Eichelhäher, nicht das Meisentschiep am Tag. Nicht des Käuzchens Ruf und der Eule Schrei während der Nacht. Auch nicht das mahlende Wiedergekäu zur selben Zeit, das Geraschel der Bilche, ihr Tappen und Kratzen. Es webt sich ein Teppich von still bis fast. Nichts stört. Auch nicht der Nordwind, der mit dem noch grünen Laub seine Freude hat.

Nur manch Gedanke, gerade noch leise, schwillt zu einer Sinfonie im Sturme an. Gebiert Gefühle. Unangenehme. Da hocken sie dann in den Zellen, bei Sonnenschein. Drehen sich hierhin und dorthin, suchen ein Ziel, brauchen aber doch einen Ausgang… Halten. Gehalten. Vorbei.

Jetzt ist doch nicht gestern! Gestern ist vorbei, morgen noch nicht da. Abschütteln. Gedanken und Gefühle. Was war zuerst? Mal so, mal so…

Jetzt plätschert wieder der Dorfbrunnen durchs Still der Zuhauseberge, Käuzchenrufe sind hier selten, Eulen schon gar nicht, ab und an bellt der Fuchs, das wars auch schon. In der Nacht der Zuhauseberge.
Blaue Stunden- Zeit zwischen Tag und Sonne geht, Nacht und Sterne kommen. Mond je nachdem. Mancheinem und –einer ist es eine heilige Zeit.

Immer noch schlummert im Blau das Tief. Das so wenig Worte hat, aber viel Gespür. In der die ZaunreiterInnen auf ihre Pferde steigen, trommelnd der Hufschlag. Pforten erscheinen, wo gerade noch nur eine Felswand war. Nun noch das Zauberwort, den Rückweg sichern, dann hinein geschlüpft in die Magie der Zwischenzeiten und –welten. Keine Grenzen, wenig Worte, keine Feinde, nicht hier! Wahrheit spiegelt und orakelt sich. Eine Närrin, ein Narr auch, die dann das Gegenteil tun…

Aber ja, die Menschen sind närrisch. Immer schon?

Und ja… was wissen wir schon? Was zum Teufel ist Wahrheit… ist Wirklichkeit… ist Gewissheit? „What the bleep do we know?”, (http://de.wikipedia.org/wiki/What_the_Bleep_Do_We_Know) fragte schon vor ein paar Jahren ein US-amerikanischer Film (=sehenswert).

Tausend und viele mehr Schreiberlinge und andere sind dieser Frage auf der Spur, seit Jahrtausenden schon. Hat uns dies auch nur einen Millimeter weiter in der Menschheitsentwicklung gebracht? (ich rede nicht vom Fortschritt, nicht jetzt, nicht hier…). Ist es nicht eher so, dass Jede und Jeder immer wieder von vorne und ganz allein hinabsteigen muss, um den Schatz zu heben, den heiligen Gral zu finden? Sprechen denn nicht genau hierüber die Geschichten, Märchen, Fabeln und Gleichnisse?

Immer nur gleich, seltenst selbig. Auch nicht der Sonnenaufgang. Nicht eine Sekunde. Das eine gleicht dem anderen, spiegelt sich, wird reflektiert. Die Welt aber hinter dem Spiegel scheint einzigartig. Meine Welt. Deine…? Nirwana und Samsara, die Grenze ist schmal. Zart sind die Nebel von Avalon, bis sie sich verdichten. Der Rückweg abgeschnitten… Verirren ist menschlich! Was, wenn Verirrung und Verwirrung erst zur letztendlichen Klarheit führt? Wohl denen, die ihre Flügel zu nutzen wissen!

Mäkeln, grollen, zürnen scheint einfacher, denn lieben. Charlie Rivel heult dazu sein herzergreifendes Huhuuu… Schon vergessen? Charlie Rivel, der Meisterclown (http://www.comedy-club.biz/clowns/rivel.html). Unvergessen. So wie auch W.C. Fields und die Brüder Marx… es lebt sich leichter mit einem Lachen im Gepäck!

Und was, wenn wir Menschen nur das Wort Zufall erfunden haben, weil wir die Verbundenheit nicht aushalten? Wohin fallen die Synchronizitäten?

Schnittpunkte, Berührungspunkte. Netze. Ich denke an Martin Häuslers Gewebe.

(leider finde ich es nicht mehr auf seiner Seite http://rumgekritzelt.wordpress.com/), vielleicht hilft er ja und ich darf es kopieren und hier einfügen… sozusagen zur Verbildlichung?)…

Nachtrag… hier also das Netz (Trainingskit für Spinnen von Martin Häusler, mit herzlichem Dank :))

 

(draufklick = groß)

 

Schnittpunkte also und Berührungspunkte, Brennstellen, Knotenpunkte, Netze weben sich von hier nach da und manchmal auch zurück und ein anderes Mal reißen sie. So ist das…

Gedanken mäandern durch das Still der blauen Stunde. Nicht alle lassen sich fangen. Nicht dieses Mal. So müssen sie noch ein wenig weiterschweifen. Bis zum nächsten Mal. Bis zur nächsten blauen Stunde…

P.S. Wenn ich das Wort Leben rückwärts lese, dann steht dort Nebel… bei Paul Auster liest es sich so: live = evil… Zufälle?

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4 Gedanken zu „Fortsetzung blaue Stunde 7. Teil – aus der Stille heraus

  1. (Das mit den Worten, das ist kein Zufall – Zaunreiter wissen das auch.)

    Ein atemloser Text – ja, wirklich, den ich an einem Stück ohne Luftholen (oder nur mit einem oder zwei Schnaufern) mit den Augen verschlungen habe und der sich um mein Hirn windet gerade noch und nicht zur Ruhe kommt (so, wie er in meiner Vorstellung beim Schreiben keine Ruhe ließ und am Stück herausbrach aus dem Füllfederhalter oder dem Tintenfaß).

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    • lieber Emil, ja mit dem Füller hast du Recht, der gleitet so schön flink UND lautlos über das karierte Papier meiner Gedankenauffangbücher, der Text sind zwei Stücke, der eine schrieb sich in Frankreich, erscheint aber hier weiter unten und die ersten Absätze schrieben sich gestern Abend noch sehr schnell als Fortsetzung der 7. blauen Stunde (erster Teil) s.u.
      ich liebe assoziatives Schreiben 😉
      schön hast du all das gespürt- danke dir
      und sei von Herzen gegrüßt
      Frau Blau

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