Faszinosum Sprache

Etwas sagen/schreiben, weil „Etwas“ heraus muss. Innenraum, der sich nach außen stülpt. Teilen… sich und etwas… mit. In den unterschiedlichen Sprachen.
(Bilder, Skulpturen, Musik… sprechen ihr eigenes.)

Sprache, so scheint es, ist begrenzt. Sie weiten, Räume ziehen zwischen Worten, Sätzen und Zeilen. Aus der Stille heraus. Ja. Auch Sprache braucht Stille. Leere Räume, Gedankenstriche und drei Pünktchen… für die Pause, das Nichtzusagende, dem was jenseits aller Worte ist.

Etwas wecken oder berühren… im Anderen. Die, der Andere. Das ist die Sollstelle. Spiegel, Reaktionen, Fenster, die sich öffnen, wo vorher keine zu sehen waren. Aber auch Türen, die sich schließen, Mauern die wachsen. Was Sprache doch alles kann!
Die Sollstelle: es geht nicht (mir nicht) um „schön“, nicht ums Schulterklopfen.

Mützenfalterin (http://muetzenfalterin.wordpress.com/2012/05/03/03-mai/) ist die Inspiration für diesen Text. Sie schrieb in ihrem Kommentar zu meinem:

„…es aushalten lernen anzuecken-„

… es aushalten lernen, dass meins gerade nicht die Bohne interessiert- auch.

Die Wandlung vom hilflosen Segelschiffchen im Sturm zum dicken Ozeandampfer.
Die Wandlung vom Fähnchen im Wind, dem Fräulein Pulsatrilla, zu Frau Sepia.
Sich selbst eine gute Freundin (ein guter Freund) werden, Vertrauen und Hingabe im Gepäck.
Das Erlernen der „rechten“ Rede. Nicht im Sinne von es recht machen wollen (wem auch und wie…?). Nein, im Sinne von Worte setzen. Achtsamkeit und Aufmerksamkeit für die Sollstelle (und für mich).

In Tibet und Nepal lernen die Nonnen und Mönche die Kunst der Debatte (was haben wir an unseren Schulen nur für eine Lernkultur!?) und es scheint Freude zu machen, das Für und Wider vorzubringen. Kein „Rechthabenwollen“. „Deins“ und „meins“ stehen sich wertfrei auf gleicher Augenhöhe gegenüber. Debatte und Council… erwachsene Formen des Austausches versus in Emotionen verhangenen Diskussionen. So macht die Sollstelle keine Angst. Fenster und Türen dürfen sich öffnen, Mauern fallen.

10 Gedanken zu „Faszinosum Sprache

  1. Seltsam eigentlich, dass die „Debatte“ deren Wortstamm eindeutig aggressiv ist, (schlagen) so viel respektvoller und interessierter daherkommt. Vielleicht weil aus dem Schlagen die Gewalt genommen worden ist, und dennoch die Berührung geblieben ist, der Wille etwas zu begreifen, statt es zu übertönen. Darüber hinaus, immer wieder: einer kann den anderen nur ernst nehmen, wenn er sich selbst ernst (und wichtig) nimmt.

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  2. danke dir, liebe Elvira, freut mich, dass er dir gefällt!

    liebe Mützenfalterin,
    ich fand es auch interessant, dass der Duden/Fremdwörterbuch fast die selben Definitionen für Debatte und Diskussion schreibt, die ich selbst so unterschiedlich erleben und begreifen durfte.
    Ich stimme di zu: die innere Haltung ist bestimmend. Wie für so vieles… zunächst sich selbst gegenüber und dann öffnen sich die Türen für die/den Anderen von selbst… so erlebe ich es

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  3. Wenn die Nonnen und Mönche in Tibet die Hohe Kunst der Diskussion erlernen denke ich an die schwafelnden und schwadronierenden Damen und Herren Politker in D-Land, die in ihrem RedeSchwall auch mal versehentlich das sagen, was sie wirklich denken wie der NRW-CDUler Röttgen, der es ganz doll doof findet, daß der WÄHLER und nicht die CDU in NRW bestimmen darf, wer MinisterPräsi wird. Vielleicht täte es in D-Land einigen gut, ersteinmal SCHWEIGEN zu lernen. Die Debatten, die in diesem unserem Lande geführt werden sind doch schon fast Krieg mit Worten. So viele Selbstdarsteller, unfähig dem Anderen ein paar Sekunden aufmerksam zuzuhören – stattdessen verbale Schlagabtausche(Debatte) ohne Sinn und Verstand, die kein Jota breit weiterbringen. Ich freue mich auf den September, wenn ich wieder in die Berge gehen darf, um dort auch mal schweigend dem Berg und dem Himmel zuzuhören, die Referenz zu erweisen. Dem Himmel 2000m näher zu sein,
    Ganz nliebe Grüße zu Dir in den BlackForest vom Grauen Wolf aus dem regennassen PommerLand.

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  4. Für mich ist der Clou einer kultivierten Sprache, dass man exakt das ausdrückt, was man ausdrücken möchte. Meist greift man doch faul zu konventionellen Textbausteinen. Und Sprache muss nicht nicht nur den Empfänger sondern auch die Situation bedenken.
    Im Unterschied zu dir meine ich, dass man durch Sprache alles ausdrücken kann. Ich glaube, es war in der Stiftsbibliothek von St. Gallen, wo ich über der Tür „nomina ante res“ (das Wort kommt vor den Dingen) las, dieses „Am Anfang war das Wort“. D.h. doch, es ist nicht eine Realität da, die wir mit Worten beschreiben, sondern wir erschaffen diese Realität mit Sprache, da unsere Wahrnehmung und somit unser Bewusstsein sprachlich ausgerichtet ist. Also klar? Wer schlampig spricht, schafft sich eine schlampige Atmosphäre. Schweigen ist, wenn nichts mehr auszudrücken ist (das wäre womöglich die buddhistische Auffassung von Einheit) oder wie es der verrückte Wittgenstein im Tractatus Logicus ausdrückt: wo man nicht reden kann, muss man schweigen (huch, ich zitier das aus dem Kopf, hoffentlich stimmt`s, ist der letzte Satz dieser Schrift)

    Von dem kleinen Dorf am Meer sonnige Grüße
    Klausbernd und die Buchfeen (vom Norfolk Plapperklub)
    😉

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  5. lieber Klausbernd, wenn ich deins zu meinem lese, dann denke ich einmal mehr, dass ich immer erst noch sprechen/schreiben lerne. Wie oft geht es mir so, dass ich gewisse Situationen oder Umstände nicht in Worte packen kann! Schweigen ist eins, wenn ich es dennoch versuche kommt es schnell zu den berühmten Miss- und Unverständnissen.
    Doch, doch, es ist schon viiiiel besser geworden ;o)
    Am Anfang war das Wort… und wo Worte nicht hinkommen, da schweige ich besser. Da kann ich Herrn Wittgenstein nur Recht geben-

    danke dir sehr für deinen Input
    sonnige Grüße aus dem hohen Tal im schwarzen (nun sehr frischgrünen) Walde
    Li Ssi

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    • Liebe Li Ssi,

      wohnst du im Schwarzwald – oder interpretiere ich das falsch mit dem schwarzen Walde? Ich werde im Herbst in Freiburg für ein paar Tage sein, well …

      Ich kann dir sagen, die passenden Worten zu finde, fällt auch mir schwer. An manchen Texten feile und feile ich herum und dennoch merke ich, es ist knapp daneben. Ich lebe ja in zwei Sprachen und beobachte, wie ich manches treffender in Englisch und manches besser in Deutsch ausdrücken kann. Thomas Mann soll mal gesagt haben, er habe große Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden und das sei eine gute Voraussetzung für einen Schriftsteller. Allerdings hat er es ja mit der Sprache etwas zu weit getrieben, muss ich als ehemaliger Fan sagen.

      Auch hier scheint die Abendsonne mit einem milden bräunlichen Ton, es ist windstill, der Fasan stolziert durch den Garten, als ob seiner sei, ich höre das leise Knistern der Stille. Jetzt werde mir eine Suppe kochen und dann noch etwas lesen.
      Einen angenehmen Abend dir
      Klausbernd

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      • ja, gut interpretiert. und Freiburg- well… (lach) das sollten wir nicht an uns vorbeiziehen lassen, wenn Lücken möglich sind.
        JETZT scheint di Venus vom tiefblauen Spätabendhimmel und ich merke gerade, dass mich unser Kontakt freut.
        Ja, es ist gut zu feilen und manchmal aber ist es einfach nur gut keroucest zu schreiben.
        bis bald wieder Li Ssi und grüße die Buchfeen und Dina

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  6. Pingback: K = Kommunikation |

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